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25.01.2012

Thomas Thieme und Iris Berben lesen im Weimarer DNT

von Lioba Knipping TLZ

Auf Lesereise: Iris Berben und Thomas Thieme präsentieren an diesem Sonntag im DNT in Weimar Texte aus dem Hörbuch "Dinge, die wir vermissen werden" von Frank Quilitzsch. Foto: Peter Michaelis

Die Lesereise beginnt: Im Deutschen Nationaltheater Weimar lesen am Sonntag Thomas Thieme und Iris Berben aus dem Hörbuch "Dinge, die wir vermissen werden". Mit den Geschichten von TLZ-Kulturredakteur und Autor Frank Quilitzsch sind sie anschließend in Leipzig (2.2.), Erfurt (21.2.) und Halle (22.2.) zu erleben. Weimar. Erfolg beflügelt. Und wie! Das hat Thomas Thieme erst jüngst wieder erfahren. Allerdings an einem Ort, an dem er es wohl nicht für möglich gehalten hatte: im Volkshaus in Jena, bei der Lesung zur Präsentation des Hörbuches "Dinge, die wir vermissen werden" von TLZ-Kulturredakteur und Autor Frank Quilitzsch. Thieme war so begeistert von Lesung und 600-köpfigem Publikum, dass er Wünsche nach einer Lesereise sofort zu erfüllen bereit war. "Ich war einfach nur glücklich", sagt er im Gespräch. Start dieser Lesereise ist nun an diesem Sonntag, 19.30 Uhr, im Deutschen Nationaltheater Weimar. Mit von der Partie ist Iris Berben, Thiemes Partnerin - oder besser Chefin - in der ZDF-Krimireihe "Rosa Roth". Die beiden hatten im Frühsommer vergangenen Jahres in einem Studio in Berlin - unter der Regie des Autors - die Texte eingelesen. "Ich finde es ehrenvoll von Frau Berben, dass sie die Zeit findet, diese Lesereise mitzumachen", sagt Thieme. Berben habe als Präsidentin der Deutschen Filmakademie gerade jetzt vor der "Berlinale" viel zu tun. Hinzu komme ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement beispielsweise gegen Rechtsextremismus. Es sei also verwunderlich, dass sie überhaupt die Zeit gefunden habe. "Dinge, die wir vermissen werden" - das sind kurze, teils heitere, teils melancholische Geschichten vom Wandel der Zeit, von Dingen, die einstmals zum Alltag gehörten, die aber nach und nach aus unserem Leben verschwinden. So wie der auf Büttenpapier geschriebene Liebesbrief, der inzwischen nicht nur von der E-Mail, sondern bereits von einer schnöden SMS abgelöst wurde. Angeregt wurden die Geschichten von der TLZ-Serie "Rote Liste", die einst Woche für Woche im "Treffpunkt" erschien. Thomas Thieme ist von diesen Texten begeistert. "Sie haben eine unglaubliche Stille, sind von einer merkwürdigen, bescheidenen Poesie", sagt Thieme. "Es sind feinsinnige Gebilde, bei denen alles stimmt. Und die Pointen sind nicht grob, sondern nur hingewischt, wie bei einem impressionistischen Aquarell." Das habe er erst im Studio in Berlin bemerkt, als Berben und er die Texte eingelesen haben. "Man fragt sich unweigerlich: Fällt das dem Frank Quilitzsch zu, oder muss er lange daran feilen", so Thieme.

Erinnerung teilen

Er sei jüngst zu einer Lesung in einen Feinkostladen in Charlottenburg gebeten worden, "im tiefsten Westen Berlins". Mit etwa 30 Zuhörern sei das eine familiäre Veranstaltung gewesen. "Die haben sich alle kaputt gelacht. Das zeigt, dass die Geschichten ankommen, nicht nur im Osten." Gelesen hatte Thieme unter anderem die Geschichte vom "Leibchen", von "Erika" und von der "Zinkbadewanne". "Alle, die da waren, hatten so etwas selbst erlebt, kannten das aus ihrer Kindheit und hatten Spaß daran, sich zu erinnern und diese Erinnerung mit anderen zu teilen." Wer Thomas Thieme kennt, ihn als "Faust" in seinem Hamsterrad im DNT gesehen hat, als Gessler im "Tell" auf dem Rütli, als DDR-Minister in "Das Leben der Anderen" mit Ulrich Mühe oder als Helmut Kohl in der Fernsehverfilmung, der kennt ihn eher als stimmgewaltigen Schauspieler, der auch vor rigorosem Körpereinsatz nicht zurückzuschrecken scheint. Doch den wahren Schauspieler machen eben auch die leisen Töne aus. Und wenn Thieme leise, mit leicht verrauchter, schon fast erotischer Stimme von den Nächten mit "Erika" liest, mit der er ein besonderes Verhältnis hatte und bei der das Auspacken schon eine intime Handlung war, dann könnte man fast meinen, er spricht von einer Frau und nicht von einer - Schreibmaschine. Seit etwa zehn Jahren schon arbeiten Thieme und Quilitzsch zusammen. TLZ-Leser kennen und schätzen die Telefongespräche der beiden, die in unregelmäßigen Abständen auf der Kulturseite erscheinen. Aus diesen Gesprächen ist auch das Buch "Ich Faust" entstanden. Zehn Jahre Zeit also, um sich auch gegenseitig ein Bild voneinander zu machen. "Frank Quilitzsch ist ein sensibler Mensch, der auch auf Zwischentöne achtet." Was Thomas Thieme und Iris Berben vermissen? "Zeit. Frau Berben vermisst Zeit. Ich auch. Aber da ich immer provozieren muss, vermisse ich auch die Seriosität in meinem Beruf und eine viel höhere Qualität in der täglichen Arbeit. Man muss für diesen Beruf geschaffen sein..." Zeit sollten in jedem Fall die Besucher des DNT am Sonntag mitbringen, wenn dort Iris Berben und Thomas Thieme lesen aus "Dinge, die wir vermissen werden".