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13.03.2010

Texte von Reiner Kunze bis Bernd Kaufmann

von Frank Quilitzsch TLZ

Jena. (tlz) 50 Texte von 50 Autoren - auf zünftige Weise nimmt der "Palmbaum" seine Glückwünsche zum Jubiläum entgegen und publiziert sie sogleich. Zur Leipziger Buchmesse (18. bis 21. März) erscheint die 50. Ausgabe des Literarischen Journals aus Thüringen. Grund für Herausgeber Jens-Fietje Dwars, mit den Beiträgern auf die rundum gelungene Ausgabe anzustoßen. Neben vielen Thüringer Autoren gratulierten in dem Heft namhafte überregionale Mitstreiter wie Ingo Schulze, Reiner Kunze, Karl Otto Conrady, Reinhard Jirgl, Lutz Rathenow, Lutz Seiler, Christoph Dieckmann, Friedrich Schorlemmer oder Bernd Kauffmann.

Benannt wurde die bundesweit einzigartige Literaturzeitschrift nach dem "Palmorden", der Fruchtbringenden Gesellschaft, die sich 1617 in Weimar gebildet hatte, um die deutsche Sprache und Literatur zu fördern. Diesem Ziel sieht sich auch der 1993 von dem Jenaer Verleger Detlef Ignasiak gegründete und von der Literarhistorischen Gesellschaft Palmbaum e. V. herausgegebene publizistische Ableger verpflichtet - als ein neugieriges, lebendiges, umtriebiges, kontrovers debattierendes Organ, das auf literarische Entdeckungen in Gegenwart und Vergangenheit programmiert ist.

Heimat im Zeitalter der Job-Nomaden

Reinhard Jirgl hat für das Jubiläumsheft einen Auszug aus seinem jüngsten Roman "Die Stille" erstellt, Christoph Dieckmann erinnert an den Freitod von Robert Enke, Bernd Kauffmann prüft den Begriff "Heimat" im Zeitalter des Job-Nomadentums, Reiner Kunze hat ein wundervolles Kindergedicht zur Verfügung gestellt, Landolf Scherzer berichtet über die "Eisenacher Tafel", Friedrich Schorlemmer hält ein Plädoyer für die bedrohte Kultur des Briefeschreibens, Ingo Schulze beantwortet Fragen zu seiner Weimarer Rede über die Verantwortung des Staates für Kulturförderung und Nancy Hünger schrieb ein "verwehtes Nachwort", einen zärtlichen Text über die verstorbene Weimarer Dichterin Gisela Kraft. Und natürlich finden auch unbekannte Autoren, die beim Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen auf sich aufmerksam gemacht haben, ein Podium.

So ist ein spannendes Lesebuch aus Gedichten, Geschichten und Essays entstanden, das um eine Bibliografie aller "Palmbaum"-Hefte seit 1993 sowie Rezensionen und Nachrichten aus dem Thüringer Kulturleben ergänzt wird (quartus-Verlag, Bucha bei Jena, 216 Seiten, Englische Broschur, 7.50 Euro). Hochkarätig ist auch die Gedenkliste der inzwischen verstorbenen Beiträger, zu denen Reinhard Lettau, Hanns Cibulka, Armin Müller, Günther Rücker, Inge von Wangenheim, Siegfried Pitschmann, Günter Ullmann und Walter Werner gehören.

Den wunderbar skurrilen Einband hat der Geraer Kay Voigtmann geschaffen: Er zeigt einen traurig-tapferen Ritter auf einem gerupften Pegasus. Dass jedes Heft von einem Thüringer Künstler gestaltet wird, hat Jens-Fietje Dwars eingeführt. Eine kleine Wanderausstellung zeigt die Andrucke der letzten zehn Ausgaben und ihre originalgrafischen Vorlagen - 13. März bis 1. April Stadtbücherei Weimar und ab 18. April in der Abbe-Bücherei Jena. Auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gratuliert dem "literarischen Juwel" und sagt weitere Unterstützung zu.

! Am 19. März, 17.30 Uhr, Halle 5/E 600, stellen Matthias Biskupek, Lutz Rathenow und Friedrich Schorlemmer das Jubiläumsheft auf der Leipziger Buchmesse vor