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19.02.2005

'Störende Literatur' heute in Schulen willkommen

von L. P. Ostthüringer Zeitung

Lesung und neue Bibliothek in Waldorfschule

Jena (OTZ/L. P.). Lutz Rathenow, Matthias Biskupek, Ines Geipel, Freya Klier, Inka Bach oder Udo Scheer - die Teilnehmerliste der Fachtagung "Störfaktor Literatur" las sich gestern wie das "Who´s Who" der ostdeutschen Schriftstellerszene.

Die Autoren, von denen die meisten in der DDR-Zeit wegen ihrer kritischen Widerspiegelung des "real existierenden Sozialismus" in Kollissionen mit Partei und Staat geraten waren, erinnerten während einer Podiumsdiskussion am Nachmittag im Ricarda-Huch-Haus an den Jenaer Arbeitskreis Literatur, der zwischen 1973 und 1975 existierte. Doch die Tagung endete nicht bei nostalgischen Erinnerungen, sondern diskutierte den Stellenwert kritischer Literatur heute.

Bereits am Vormittag waren zehn Autoren in Jenaer Regelschulen und Gymnasien unterwegs, um dort mit jungen Leuten über ihre Bücher und die Literaturszene zu diskutieren.

In der Freien Waldorfschule Göschwitz begrüßten Geschäftsführer Olaf Möller und Deutschlehrer Dr. Matias Mieth den Schriftsteller Udo Scheer, der in den 70er Jahren zu den Mitgründern des Jenaer Arbeitskreises Literatur gehörte. Scheer las nicht nur aus seinem Buch "Zeitrisse", sondern sprach mit den Schülern auch über den aus Greiz stammenden und heute in Bayern lebenden Schriftsteller Reiner Kunze, den die Stasi wegen seiner Literatur zum Staatsfeind erklärt hatte.

Die Waldorfschule nahm den Besuch zum Anlass, um die neue Bibliothek im ausgebauten Dachgeschoss einzuweihen. Bis zu 10 000 Bücher, verwaltet von Christiane Kühnert, stehen dort Schülern und Lehrern zur Verfügung. Udo Scheer schenkte der Schule sein jüngstes Buch.