Presse - Details

 
07.02.2009

Statt Asche stets Glut gesehen

von Günter Gerstmann TLZ

TV-Autor Albrecht Börner wird morgen 80 - Hauptfeld Geschichte - Memoiren erschienen

Von Günter Gerstmann Jena. Mit dem Fernseh-Mehrteiler "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" hat er sich einen bleibenden Namen gemacht - der Jenaer Schriftsteller und Fernsehautor Dr. Albrecht Börner.
Morgen begeht er seinen 80. Geburtstag. Das denkwürdige Datum ist für den Jubilar ein Anlass, über sein Leben und sein literarisches Schaffen nachzudenken. "Nur in meinen Traum- und Kunstwelten habe ich Menschen nach meinem Bilde zu formen versucht. So brauche ich denn für meinen Gang in der Welt meiner Zeit nichts zu rechtfertigen noch zu entschuldigen" - das bekennt der Jubilar in seinen Lebenserinnerungen, die er jetzt als "Fortschritte auf dem Holzweg - Erinnerungen eines Hinterwäldlers" im Radebeuler Notschriftenverlag veröffentlichte. Vom MDR-Intendanten Prof. Dr. Udo Reiter wurden sie als bedeutendes Zeitdokument gewürdigt - als ein Bild "Vom Leben der Allermeisten, wie es eben ist und bisher immer gewesen war".

Albrecht Börners Leben war geprägt von Entbehrung und vom 2. Weltkrieg, von zwei Diktaturen, und auch von der Notwendigkeit, sich diesen Gegebenheiten mit seinen vielen Verletzungen anzupassen - gleichwohl aber zu versuchen, den eigenen Weg zu gehen. "Es war mir vergönnt, nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden aus dem Deutschen Fernsehfunk Ende 1990, bei der Neugestaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitzuwirken. Ich hatte mitzuarbeiten an einer Schöpfung aus dem Nichts... Ich kann also die Erinnerungen frei von Skrupeln anstrengen, kann also damit eine unbeschwerte Zeugenaussage zur Zeitgeschichte machen..."

Albrecht Börner wurde am 8. Februar 1929 in Schmiedefeld am Rennsteig geboren. Nach dem Schulbesuch erlernte er den Beruf eines Glasbläser-Apparateherstellers, holte in Jena das Abitur nach und begann 1949 an der Friedrich-Schiller-Universität ein Studium der Germanistik, Geschichte und der Philosophie. Bei seinem Lehrer Prof. Joachim Müller promovierte er 1967 mit einer Arbeit "Gesellschaftsordnung und Menschenbild im deutschen utopischen Roman des 20. Jahrhunderts." In Jena wurde ihm die Auseinandersetzung mit Geschichte zum entscheidenden Erlebnis und zum bedeutsamsten Arbeitsgebiet.

Albrecht Börner, der von 1955 bis 1964 im Verlag der Nation in Berlin tätig war, nutzte seine historischen Kenntnisse für die Herausgabe von zeitgenössischen Erlebnisberichten - wie das "Gewissen in Aufruhr" vom ehemaligen Wehrmachtsoffizier Rudolf Petershagen. der entgegen dem irrsinnigen Befehl Hitlers seine Heimatstadt Greifswald gegen die russische Armee zu verteidigen, sie kampflos übergeben hat. Das Geschehen wurde von der DEFA mit Erwin Geschonek in der Titelrolle verfilmt.

Auch die Memoiren des Rennfahrers Manfred von Brauchitsch gab er heraus. Und mit dem Weimarer Fotografen Ernst Schäfer veröffentlichte er viele Bild-Text-Bände - so auch "Der Thüringer Wald und sein Handwerk". Große Verdienste hat sich Börner an der Verfilmung literarischer Stoffe erworben, als er zum Fernsehen der DDR überwechselte - so Fontanes "Effi Briest", Tucholskys "Rheinsberg", Heinrich Manns "Schlaraffenland", nicht zu vergessen: Auch "Die große Reise der Agathe Schweigert" und Feuchtwangers "Die Brüder Lautensack".

In der Geschichte die Glut und nicht die Asche zu sehen, das Menschliche vor allem - das hat Albrecht Börner auch in seinem großen, sechsteiligen Fernsehfilm "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" einprägsam vorgeführt, wobei man den Unterhaltungswert der deutschen Geschichte entdeckte. Das Filmszenarium hat Dr. Börner als Buch im Jenaer Verlag Dr. Bussert & Stadeler veröffentlicht. Über die Schwierigkeiten eines filmischen Umgangs mit Goethe und Christiane Vulpius bekannte er: "Ich brauche ihn nicht zum Klassiker zu ernennen, es geht nur um den Menschen Goethe, für den dieses Verhältnis zu Christiane wesentlich ist." Börners Filmerzählung ist als "Morgenröte färbte ihre Wangen" im Quartus-Verlag erschienen.

Wir danken dem Achtziger Albrecht Börner, diesem tapferen und anregenden "Wahrheitssucher" für seine vielfältigen Beiträge, die unsere literarische Landschaft bereichert haben - damit wir nicht in eine selbstverschuldete "Geschichtslosigkeit" fallen!