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09.05.2009

Starlight Blues - Indianer-Detektiv Adam ermittelt

von Matthias Biskupek TLZ

Auf dem Umschlag steht klein gekästelt: Krimi. Das hätte größer sein können, denn dieses Buch von Antje Babendererde, die bislang als Autorin von Gegenwarts-Indianerromanen bekannt wurde, ist eine handfeste Detektivgeschichte. Mit einem Ermittler, der in geordneten Verhältnissen lebt: kluge Frau, zwei liebe Kinder, durchaus nicht ärmlich. Dieser Adam Cameron muss sich im Privatdetektivbüro auch nicht langweilen, denn seine Klienten brauchen ihn dringend: "Es gab Tage, an denen das Telefon ohne Unterlass klingelte."
Cameron muss eines Tages doch "in die Kälte der Nacht" hinaus, wie der Untertitel dieses "Starligth Blues" lautet. Er arbeitet in Seattle vorwiegend für Indianer - das ist der tiefere Grund für diese typische Babendererde-Geschichte. Adam selbst ist indianischer Herkunft, wuchs als Adoptivkind bei Weißen auf.

Im benachbarten Kanada, in Winnipeg, soll er einen zehn Jahre alten Todesfall klären. Von dem er vermutet, dass er mit seiner eigenen, unklaren Herkunft zu tun hat.

So geht die Geschichte denn ihren spannenden Gang: Gespräche, Irrungen, Wirrungen, falsche Fährten. Die Ermittler von einst mauern, Protokolle bleiben unauffindbar, die Familie des blutjung Erfrorenen schweigt. Die kanadischen Indianer tragen insgesamt schwer an ihrem Erbe. Stolze Wilde von einst vegetieren nicht selten alkoholkrank am Rande des weißen Winnipeg - in dem es vor allem kalt ist. Doch das Navi im Auto funktioniert wunderbar, der Leser biegt mit dem Ich-Erzähler in die richtigen Straßen ein, egal ob im Zentrum oder meilenweit draußen im Schneegestöber, in der Siedlung "Narrow River". Irgendwann aber liegt der Detektiv selbst schutzlos in der Kälte.

Das soziale Engagement und die genaue Milieukenntnis der Autorin sind erstaunlich, zumal die Geschichte, wie zu lesen ist, nach einer wahren Begebenheit geschrieben wurde. Doch obwohl zum Schluss der Fall gelöst ist, die Detektivgeschichte nach allen Regeln der Krimibaukunst erfüllt wurde, ist eine Prise Moral zu viel enthalten. "Es war ein gutes Gespräch. In Zu-kunft würden wir über alles reden können, das wusste ich jetzt." Es ist ein gutes Buch, aber in Zukunft sollte nicht zu viel von der Autorin bewertet werden. Hugh, der Rezensent hat gesprochen.

i Antje Babendererde: Starligth Blues - In der Kälte der Nacht. Merlin-Verlag, Gifkendorf, 344 S., 19,50 Euro