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24.06.2002

Stadtschreiberin verabschiedet

von Sebastian Martius Ostthüringer Zeitung

Ranis (OTZ/S.Martius). Gestern vormittag wurde im Rahmen der Thüringer Literatur- und Autorentage, die im vergangenen Jahr gewählte Stadtschreiberin Heide Haßkerl verabschiedet.

Bürgermeister Andreas Gliesing und Martin Straub vom Lese-Zeichen e.V. bedankten sich bei der nunmehr vierten Raniser Stadtschreiberin. In dem in ihrer Zeit in Ranis entstandenen Buch "Herbstzeit", in dem zwar, wie die Autorin versicherte, allein die Phantasie herrsche, meinte Martin Straub doch einige Personen aus Region und Stadt wiedererkannt zu haben. Das wäre auch nicht verwunderlich, denn schließlich soll der Schreibauftrag eines Stadtschreibers in enger Verbindung zur Region und der Stadt Ranis stehen. Heide Haßkerl, deren besonderes Anliegen umweltpädagischen Projekten gilt, hatte in der gestrigen Lesung aus ihrem Buch die Wahl und Einführung in ihr Raniser Amt thematisiert. Wie weit dort Phantasie und Realität die Oberhand gewinnen, mag sich jeder Leser selbst überzeugen.

Die Protagonistin Vera Draußentahl, hinter der sich unschwer die Autorin verbirgt, ist zunächst von Zweifeln geplagt, als sie sich um das Amt der Raniser Stadtschreiberin bewirbt. Doch den Zweifeln zum Trotz wird Vera, die als Geheimtipp in Ranis gilt, bei der Wahl nominiert. Einen "honigsüßen Brief" mit poetischsten Naturschilderungen, läßt die Autorin ihre Hauptfigur an die Jury schreiben. Dieser Brief weckte nun Erwartungen. Erwartungen, die die Ich-Erzählerin in Heide Haßkerls Buch aber zu enttäuschen gedenkt. Detaillreich schildert sie die Einführung und Übergabe des Amtes. Mit hintergründiger Ironie und Selbstreflexion werden die Umstände der Einführung beschrieben. Während der Lesung mußte das Publikum öfter lachen und schmunzeln, waren doch vermeintlich einige, der beschriebenen Personen und Umstände wiederzuerkennen.

Die Darstellung von klischeehafter Erwartung an eine Autorin und ihr anderes Aufeinandertreffen mit der Realität überzeugte. Trotz einiger ironischer Spitzen wagte es am Ende Andreas Gliesing dennoch, Heide Haßkerl mit einem Blumenstrauß, den Vera Draußentahl im Buch brüsk ablehnte, für die Lesung zu danken.