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05.01.2007

Stadtschreiber will Ranis ein lyrisches Werk widmen

von M.K. Ostthüringer Zeitung

Schriftsteller André Schinkel stellte sich kurz vor dem Jahreswechsel seinen Gastgebern in Ranis vor - Unterhaltsames Kennenlernen

Ranis (OTZ/M. K.). Was ist ein Kumpf? "Das Wort kannte ich zuvor auch nicht. Mein zweites Studium, das der Archäologie, half mir, mich an viele neue Dinge heran zu tasten", erklärte André Schinkel den Begriff für ein Trinkgefäß aus Keramik. Der archäologische Reichtum in Mitteldeutschland führe ihn immer wieder an alte Begriffe. "Die Archäologie ist wie ein Roman der Weltgeschichte", begegnet der Lyriker dieser Wissenschaft mit großem Respekt.
Der Familienvater von Zwillingen aus Halle, der auch eine Ausbildung zum Rinderzüchter mit Abitur in seinen Biographien angibt, ist seit Juni 2006 Stadtschreiber in Ranis und stellte sich kurz vor dem Jahreswechsel zum ersten Mal seinem Publikum näher vor. Nicht nur die von ihm gewählte Kombination der Studienrichtungen Germanistik und Archäologie stellt eine Besonderheit dar. Zum ersten Mal seit 1998 will ein Stadtschreiber in Ranis eine Edition ausschließlich mit Gedichten vorlegen. Pünktlich im April und damit kurz vor seinem 35. Geburtstag soll das lyrische Werk fertig sein, hat sich der gebürtige Eilenburger auf die Fahnen geschrieben. Ältere Gedichte sind nicht nur in seinen bisherigen Büchern, sondern auch unter www.andre-schinkel.de.vu nachzulesen.

Auch wenn der unterhaltsame Gesprächsabend in der Gaststätte Zur Schmiede die erste Möglichkeit zum Kennenlernen des aktuellen Stadtschreibers bot, so hat er sich schon mehrere Male in Ranis aufgehalten. Ohnehin scheint sich André Schinkel, der in Bad Düben östlich von Bitterfeld aufgewachsen ist, bestens mit der Kleinstadt anzufreunden. Gern sieht er sich in der Rolle des Werbeträgers für Ranis und führt diesen Titel ganz offiziell auf Briefbögen. In Ranis hatte er bereits seine Familie zu Gast.

Im Juni 2006 erhielt André Schinkel nicht nur die Würde des Stadtschreibers. Wolf Biermann, Hauptpreisträger der Ringelnatz-Stiftung mit Sitz im norddeutschen Cuxhaven, hatte ihn für den Förderpreis für Nachwuchslyriker dieser Stiftung vorgeschlagen. 600 Gäste hatten die Ehrung am 16. Juni verfolgt, 150 Besucher kamen einen Tag später zur Lesung mit ihm und Wolf Biermann, am 18. Juni stellte sich der neue Stadtschreiber schließlich in Ranis vor. "Durch die Fürsprache eines großen Mannes wie Biermann gerät man in Dinge, von denen man zuvor gar nichts wusste", genießt André Schinkel das bundesweite Interesse an seiner Person, das ihn natürlich bis in den Saale-Orla-Kreis begleitet.

Zum zweiten Mal nimmt er bereits die Rolle eines Stadtschreibers wahr. Die selbe Tätigkeit von 1998 bis 2000 in seiner jetzigen Heimatstadt habe ihn "unglaubliche Popularität in der Halleschen Kneipenszene" einge- bracht. Auch wenn die Stelle in Halle höher dotiert war als jene in Ranis, mit einer eigenen Edition durfte sich der Stadtschreiber damals nicht schmücken. An ein gedrucktes Werk als Auflage war das Amt in Halle nicht geknüpft. Dafür gibt es ein solches wie gewohnt in Ranis. Der Arbeitstitel "Unwetterwarnung - Raniser Gedichte" gibt nur auf den ersten Blick Anlass zur Sorge. Der Autor beruhigt: "Von unten gesehen gleicht die Burg einem Raubritternest", hatte André Schinkel beobachtet und möchte sich noch einmal Gedanken über den Titel des Gedichtbandes machen.