Presse - Details

 
18.01.2003

Stadtschreiber von Ranis greift auf, was ihm in die Quere kommt

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Unterhaltsamer Abend mit Jochen Weeber in der Schmiede

Ranis (OTZ). Jochen Weeber, Stadtschreiber in Ranis, wollte das Geheimnis um sein künftiges Werk in der Burgstadt noch nicht preisgeben. Beim Stadtschreibergespräch am Mittwoch in der Gaststätte Zur Schmiede verriet er lediglich, dass sein Buch aus mehreren Kurzgeschichten bestehen werde. "Ich greife auf, was mir in die Quere kommt", sagte der 31-Jährige, der seit Mitte 2002 ausschließlich mit dem Schreiben beschäftigt ist. Einen Roman mit Handlung in Ranis wird es demnach nicht geben.
Eine Überraschung lieferte Weeber dennoch: "Es gibt eine Verbindung, bei der die Stadt Ranis und der Skispringer Sven Hannawald in die Handlung eingebunden sind." Gleichzeitig gab sich der ausgebildete Lehrer aus Reutlingen mit einer Vorliebe für Fußball als Realist zu erkennen: "Ich achte darauf, dass ich mir nicht zu viel vornehme." Während des Abends in der Schmiede las Weeber zwei Kurzgeschichten. Eine Episode mit dem Titel "Die Anachronismus-Klatsche" sei in seiner Zeit als Stadtschreiber in Schwaz (Österreich) entstanden. Kurze Zeit, nachdem Weeber in Ranis zum Stadtschreiber gewählt wurde, erhielt er die gleiche Ehre in der Stadt bei Innsbruck. Diese "Stelle" sei jedoch ohne die Verpflichtung, ein Buch abliefern zu müssen, verbunden gewesen.
"Was haben die Mönche dazu gesagt", fragte ein interessierter Besucher den Vortragenden.
Weeber hatte zwei Monate lang in einem Franziskaner-Kloster gelebt, ohne jedoch am Alltag der Mönche teilzunehmen. Vielmehr hatte Weeber die Zeit genutzt, alltägliche Geschichten zu schreiben. Feinfühlig beobachtet und niedergeschrieben, enden die Episoden zumeist mit einer Pointe, die zum Schmunzeln anregt. Dies geschieht auch bei ernsten Themen. Damit fesselt er gekonnt seine Zuhörer. Allein diese Fähigkeit und seine Art, über Begebenheiten zu erzählen, gestalten eine Lesung mit dem Stadtschreiber zu einer unterhaltsamen Angelegenheit.
Als neuer Fan gab sich am Mittwoch Eberhard Halter zu erkennen. Der Videofilmer aus Ranis, dessen neueste Streifen nach der Lesung zu sehen waren, sagte nach den zwei Geschichten: "Das macht Lust auf mehr und lädt dazu ein, das neue Buch zu lesen." Bevor Jochen Weeber sein Werk anlässlich der kommenden Literaturtage vorstellen wird, will er zuvor im Frühjahr noch einmal nach Ranis kommen.