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04.09.2010

Stadtschreiber tritt in Ranis neu an

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Als einen „Wahnsinnskerl“ bezeichnete Wolfgang Huhndorf aus Pößneck am Donnerstagabend den neuen Stadtschreiber Wehwalt Koslovsky, der sich als zwölfter Amtsinhaber in Ranis vorgestellt hatte.

 

Ranis. Koslovsky gehört der so genannten Poetry Slam-Bewegung an und moderierte bereits drei derartige Veranstaltungen anlässlich der Literaturtage in der Burgstadt. Diese Form eines Dichterwettstreits ist ein Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. "Diese heitere Form der Kunst zu machen, ist ein schwieriges Geschäft. Bühnendichter ist ein harter Beruf, der vom Moment lebt", informierte Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen e.V. die 50 Zuhörer.

Koslovsky bot am Donnerstag einige Kostproben seines Könnens. "Das war schon Wahnsinn. Ich habe mich in eine Zeit zurück versetzt gefühlt, als Friedrich Schiller noch ein junger Autor war. So ähnlich muss das damals gewesen sein", staunte nicht nur Huhndorf. Für die meisten Gäste der Lesung war es die erste Bekanntschaft mit dem Genre Poetry Slam. "Ich lese normalerweise vor jüngerem Publikum. Deshalb freut es mich, dass die Zuhörer so aufmerksam waren."

In Ranis wolle sich der Wahlberliner "ganz auf das Schreiben konzentrieren. Ich will den Einheimischen auf den Mund schauen und testen, wie viel Poesie Ranis verträgt."

Nach dem Auftrag der Jury, die Wehwalt Koslovsky unter 30 Bewerbern für das Amt des Stadtschreibers ausgewählt hat, muss der Autor bis Mai 2011 ein literarisches Werk vorlegen und damit an Texten abseits des Poetry Slams schreiben.

"Seine Zeit in Ranis möchte Koslovsky für seine Arbeit an einem Lyrikband nutzen", sagte Bürgermeister Andreas Gliesing (Christliche Mitte /Gewerbeverband). Das erste Mal werde er sich von Montag bis Freitag der kommenden Woche in der Stadt aufhalten, kündigte der 38-jährige an. "Ich werde die Zeit in Ranis genießen."

Damit folgt er ganz auf Achim Stegmüller, der über seine vergangene Zeit sagte: "Ich wäre gern noch ein Jahr geblieben". Die Zeit nutzte er, um als erster Stadtschreiber in Ranis einen Krimi zu schreiben. Mit "Nox eine Kriminalgeschichte aus Ranis" ist das 100 Seiten dicke Buch überschrieben, aus dem der Schriftsteller las.

Dabei hatte es dem Autor das im Oktober 2008 in Ranis eröffnete Wisentgehege angetan. In der Geschichte geht es um die Freundschaft von drei Männern und die Geschehnisse rund um das Gehege. Dort werden die Wisentkühe Dabi und Daffra tot aufgefunden. Die Frage stellt sich: War es der Bulle Nox? Als auch dieser verschwindet, machen allerlei Gerüchte die Runde. Der zweite Handlungsort ist somit die Schmiede. Dort machen sich die drei Hauptprotagonisten Walter, Georg und Kurt ihre Gedanken um das Verschwinden des Tieres und die Geschehnisse im Gehege.

"In erster Linie ging es mir bei dem Krimi um die Lust am Geschichten erfinden. Dazu ist die Gaststätte als ein Handlungsort angetan. Auch deshalb fließt viel Humor mit ein. Das Ganze hat etwas Melodramatisches", verriet Stegmüller, der selbst zum ersten Mal einen Krimi geschrieben hat.

Wieder begleitet wurde er von seiner Frau Sachiko Mushiaki-Stegmüller, die bei den Autorentagen im Juni eigene Bilder in einer Ausstellung zeigte.

Ich habe Achim Stegmüller als einen sehr offenen und neugierigen Künstler kennengelernt, der sehr angetan war von der Stadt und auch der Landschaft", sagte Bürgermeister Andreas Gliesing.