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27.08.2013

Stadtschreiber erzählt witzig und pointiert

Photo: Mario Keim

RANIS. Christian Wöllecke ist der Inbegriff eines Unikums: Der 14. und derzeit amtierende Stadtschreiber in Ranis bringt sich vielseitig in das Leben der Kleinstadt ein, kennt das Vereinsleben und die Rituale in der Gastwirtschaft. Anonymität wie in seiner Wahlheimat Berlin begegnet dem 29-Jährigen nicht. Dafür sorgt auch der Stadtschreiber-Blog, den er erstmals in dieser Stelle führt und der das Stipendium zugleich aufwerten soll. Ein einfaches Tagebuch im Internet ist es allerdings nicht. Vielmehr zeigt der Stadtschreiber darin viele Facetten als Autor und lässt den Nutzer teilhaben an seinen Beobachtungen.

„Für den Blog habe ich mir überlegt, zum Abschied ein Resümee zu schreiben“, richtet er sich an alle Interessierten. Der Blog mit Kurzgeschichten aus der Raniser Zeit soll Neugier wecken auf seinen Band mit Erzählungen, der am 23. Oktober in Ranis vorgestellt werden soll. An diesem Tag stellt sich auch der Nachfolger von Christian Wöllecke vor.

Der amtierende Stadtschreiber war in seiner Zeit in Ranis besonders mobil: Er erkundete die Gegend um Saale und Orla nicht nur zu Fuß oder mit dem Auto; er mietete sich für die Dauer von drei Monaten sogar ein Fahrrad in der benachbarten „Fahrrad-Bude“, einem der wenigen Geschäfte in der Kleinstadt. „Ich wollte einmal sehen, wie der Ort aussieht, wenn die Felder noch nicht abgeerntet werden“, nannte Christian Wöllecke einen wichtigen Grund, für seine Bewerbung als Stadtschreiber 2012. Bisher hatte er Ranis stets nur im August, zur Sommerwerkstatt "Art & Wiese", gesehen, an der vor zwei Wochen zum fünften Mal teilnahm. Hier wirkte der Berliner im Kurs Malen. In der Werkstatt gilt er inzwischen als wichtige Stütze für die Dozenten, weil er als Moderator durch die Veranstaltung führte und Ansprechpartner für jüngere Teilnehmer war.

„Für sein Alter hat er schon recht viel erreicht“, schätzt ihn Germanist Dr. Martin Straub. Der Ehrenamtsvorsitzende des Vereins Lese-Zeichen e.V. kennt alle 14 Stadtschreiber und hat als Kursleiter an allen 15 Sommerwerkstätten mitgewirkt – fünf Mal gemeinsam mit dem Wahlberliner. Der gebürtige Sachse Christian Wöllecke (Radebeul) zog mit seinen Eltern Anfang der 1990er Jahre nach Thüringen und wohnte in Hermsdorf und jetzt Bad Klosterlausnitz. In Eisenach schloss er ein Studium der Betriebswirtschaft ab, ehe er sich für ein zweites Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin entschloss. Auch andere Projekte führten ihn immer wieder für kurze Zeit nach Thüringen. Während die Eltern in Bad Klosterlausnitz leben, wohnt der Bruder mit Familie in Jena.

Christian Wöllecke geht davon aus, dass er eines Tages wieder einer geregelten Tätigkeit in einem Wirtschaftsunternehmen nachgehen wird. Dafür hat er Betriebswirtschaft studiert. Gleichzeitig aber hofft er, in ein paar Jahren einen Verlag gefunden zu haben, bei dem er  seine Erzählungen veröffentlichen kann.

Die Stadtschreiber-Jury in Ranis hatte Christian Wöllecke vor Jahresfrist mit offenen Armen empfangen: „In seiner Bewerbung hat er sich vor allem durch seine witzige und pointierte Erzählweise hervorgetan. Sein Erzählen hat viel Leichtigkeit, nichts Bemühtes, was aber nicht ein genaues Hinsehen und Beobachten, der ihn umgebenden Gesellschaft verhindert. Die Jury sieht in Christian Wöllecke ein hoffnungsvolles nachwachsendes Talent“, sagte Jurymitglied Martin Straub. Genau dieses Talent unterstreichen der Blog und auch jedes Stadtschreibergespräch mit ihm.

von Mario Keim

Termine mit Christian Wöllecke:

28. August, 19.30 Uhr Stadtschreibergespräch Gasthaus Zur Schmiede, Ranis

20. September, 19.30 Uhr Lesung mit Najem Wali (Stadtschreiber Jena) Villa Rosenthal, Jena