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19.08.2003

Spuren des 'anderen' Goethe reichen bis ins heutige Jena

von Frank Döbert Ostthüringer Zeitung

Ausstellung "Mit Lichtbehagen..." seit gestern in der Goethe Galerie

Vom Botanischen Garten bis zum Straßenbau hat Goethe in Jena vielfältige Spuren seines Wirkens hinterlassen. Alle Aufenthalte ab 1776 zusammen gerechnet, hat der Dichterfürst fünf Jahre seines Lebens in der Stadt verbracht. Die Ausstellung "Mit Lichtbehagen...", in den nächsten 14 Tagen in der Goethe Galerie zu sehen, bringt diesen Jenaer Goethe anhand von Schautafeln und originaler Exponate näher.

Nach Frankfurt und Weimar ist Jena die drittlängste Station in Goethes Leben gewesen - und dennoch steht der Geheimrat hier nicht auf einem Sockel. "Das hat seinen Grund", sagt Jens-Fietje Dwars, der als Projektleiter in der Thüringischen Literaturhistorischen Gesellschaft "Palmbaum" e.V. die Ausstellung konzipierte. "Goethe war in Jena anders als bei Hofe, er war experimenteller, intellektueller." Ausdruck dieses veränderten Lebensgefühles sind seine in Jena entstandenen "Wahlverwandtschaften": Goethe durchlebte das, was er in diesem ersten modernen, recht abgründigen Roman schildert. Darüber hinaus finden sich in Jena lebendige Spuren von Goethes Schaffen. Dazu gehören der Saaledurchstich, durch den in der Oberaue das Areal gewonnen werden konnte, auf dem das Ernst-Abbe-Sportfeld gebaut wurde. Oder der jüngst wieder freigelegte Schneckenberg, ein Abschnitt der Straße durch das Mühltal Richtung Weimar, den Goethe anlegen ließ. Seine Spuren finden sich auch in Hochwasserakten aus dem Jahr 1884. Doch insgesamt, urteilt Dwars, ist Goethe in Jena "unterbelichtet". Dass sich das ändern soll, ist auch Auffassung von OB Dr. Peter Röhlinger, Schirmherr der Ausstellung. Im Begleitprogramm zur Ausstellung wird es in Podiumsgesprächen mit Politikern, Tourismus- und Museumsexperten so auch um die Frage gehen, ob sich mit Goethe locken lässt oder ob die Klassikerstraße an Jena vorbei führt (das komplette Programm unter www.goethe -in-jena.de.). Premiere hat am kommenden Sonnabend das Buch zur Ausstellung "Der Jenaer Goethe". Autoren sind Jens-Fietje Dwars und die Fotografin Karoline Krause, von der auch die Fotos der Ausstellung stammen. Erstmals im 1:1-Modell ist der Plastik-Entwurf des Bildhauers Heinz Georg Häußler für den Drackendorfer Park zu sehen.