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08.01.2005

Spuren der Teilung nicht vollständig verschwunden

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Unterhaltsame Lesung in Ranis aus "Ankunft im gelobten Land"

Auch 15 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Mauer treten Unterschiede zwischen Ost und West auf. "Ich weiß zwar nicht genau warum, aber es ist immer noch etwas anders", beschrieb ein Mann aus Lehesten am Donnerstag in Ranis seine Eindrücke, wenn er einmal in der Woche von Thüringen nach Bayern fahre. Beim Schneeräumen oder allgemein dem Zustand der Straßen wollte er diese vermeintlichen Unterschiede an der ehemaligen Grenze bei Brennersgrün stets auf Neue beobachtet haben.

Der Mann aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gehörte zu den Besuchern der Auftaktveranstaltung im neuen Jahr innerhalb der Reihe Autorenlesung auf Burg Ranis.

"Die Reaktionen auf das Buch sind jedesmal konträr und zeigen die unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen", verriet Autor Thomas Spanier. Der Jenaer, der die OTZ-Lokalredaktion in Saalfeld und Rudolstadt leitet, hat gemeinsam mit der Journalistin Sabine Krätzschmar das Buch "Ankunft im gelobten Land" verfasst. Die Geschichten beschreiben "Das erste Mal im Westen", so der Untertitel, und lassen dabei Prominente wie Künstler, Politiker und Sportler, aber auch einfache Menschen zu Wort kommen.

"Wir sind zwar keine Prominente. Doch es ist das Thema, das viele lockt", vermutet Thomas Spanier als Grund für das anhaltend große Interesse an diesem Thema. Mehr als 80 Gäste bescherten den Veranstaltern am Donnerstag einen Auftakt nach Maß, was auch Dr. Martin Straub vom Lesezeichen e.V. freute. Während der Buchpremiere am 29. September in Jena hatte er die beiden Autoren angesprochen, in Ranis zu lesen. In Ranis schloss sich für Thomas Spanier und Sabine Krätzschmar auch ein Kreis. Nach der Lesung von Steffen Mensching auf der Burg hatten beide den Schriftsteller aus Berlin nach seinen ersten Eindrücken im Westen gebeten. "Wir haben ihm in Anschluss an seine Lesung in einem bekannten Gasthaus unterhalb der Burg befragt", so Spanier.

Während das Buch "Ankunft im gelobten Land" das Kapitel der deutschen Teilung aus Sicht der Betroffenen und abseits der Schlagzeilen beleuchtet, bieten die bisherigen Lesungen einen zusätzlichen Reiz. So stellte in Ranis als Überraschungsgast Diana Schmidt ihre Geschichte aus dem Buch vor. Für die Saalfelder Beamte des Bundesgrenzschutzes war es zugleich die erste Veranstaltung dieser Art. Ein bisschen aufgeregt sei sie schon gewesen, "weil es für mich eine ungewohnte Umgebung war." In Schulen spreche sie regelmäßig zu Polizeithemen vor Kindern. Personen wie Schmidt reihen sich in dem Buch neben die Sportler Kati Wilhelm, Jens Weißflog und die ehemalige Triptiserin Marlies Göhr, deren Geschichte auf Wunsch eines Besuchers am Donnerstag ebenfalls zu hören war. Dass neben ehemaligen und aktiven Politikern wie Lothar de Maizière, Wolfgang Thierse, aber auch der frühere Langenorlaer Bundestagsabgeordnete Kersten Wetzel mehrfach der so genannte kleine Mann in diesem Buch zu Wort kommt, erinnert einmal mehr daran, dass wohl jeder DDR-Bürger eine Geschichte zu erzählen hat. Die Auswahl eines breiten Personenkreises bereichert dieses Werk.

"Obwohl es nur Ostdeutsche sind, die sich hier erinnern, sei es aber zuerst ein Buch für die Westbürger". Diesen Einwand hören Thomas Spanier und Sabine Krätzschmar ebenso bei jeder Lesung wie die bislang noch unbeantwortete Frage, ob es schon eine Veranstaltung im Westteil Deutschlands gegeben habe.