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07.02.2011

Sprachperlen im Theaterhaus

von von Jördis Bachmann TLZ

Eine poetisch Nacht: Die ausverkaufte Lyriknacht "spoken words" im Theaterhaus Jenasoll die letzte ihrer Art gewesen sein. Doch der Erfolg der Veranstaltung schreit nach mehr.

Jena. Am Anfang waren Substantive, Verben, Präpositionen, Pronomen, Adjektive, Konjunktionen, Adverben, Interjektionen, Artikel, Numerale. In die richtige Reihenfolge gebracht ergeben sie Sprache, ermöglichen sie gegenseitiges Verstehen. Doch wer mit der Reihenfolge geschickt jonglieren kann und die Kraft der Worte einzusetzen weiß, verwandelt die Sprache in Kunst, in Poesie, in Lyrik.

Sechs solcher Verwandlungskünstler kamen am Samstag im Theaterhaus zusammen zur vierten und letzten Lyriknacht "spoken words". Glücklich konnte sich schätzen, wer noch eine Eintrittskarte ergattert hatte; lange vorher war die Veranstaltung ausverkauft. 250 Menschen hatten Platz genommen auf Stühlen, Hockern, Treppenstufen und Schaumstoffmatten. Nora Gomringer, Nina Sonnenberg, Mia Pitroff, Ken Yamamoto, Telhaim und Dalibor sind junge Menschen, die Sätze aneinanderreihen wie Perlen an eine Kette. Zwei Stunden haben sie gesprochen über Facebook, Liebe, Generationenkonflikte, Jürgen und seine Einfahrt, Politik und über das Lagerregal, das, auch wenn man es umdreht, noch ein Lagerregal bleibt.

Die Verschiedenheit der sechs Poeten hinderte sie nicht daran, auch als Team auf die Bühne zu treten natürlich sauber getrennt nach Geschlecht. Zuerst die drei Damen, später die drei Herren Anstand muss sein. Humorvoll, nachdenklich, intelligent, aber vor allem verblüffend authentisch waren die Wortkünstler. Sie schlüpften nicht in eine Rolle, wie es Schauspieler in einem Stück tun, sie trugen Texte vor, die viel mit ihnen selbst zu tun haben; man lernte sie ein bisschen kennen, während sie auf der Bühne über ihre Großmutter redeten, über das Paar, das von Drache und Phönix zu Panda und Wärter mutiert oder über die Notwendigkeit eines einzigen Wortes, das folgenden Satz zusammenfasst: "Du kannst jetzt heulen und schreien und weinen, ich werde dich deshalb trotzdem nicht besser verstehen."

Während die Wort-Perlenketten durch den Raum flogen, in der Luft zerrissen, auf das Publikum niederregneten, bewies die Zeit dem Publikum, dass sie relativ ist. Die zwei Stunden vergingen wie fünf Minuten, und noch lange kullerten einzelne Wort-Perlen auf dem Boden herum, über die man auch Stunden später, bei der anschließenden Party, noch stolperte.