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24.03.2005

Spiel mit Räubern und Gendarmen

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Die Klassikstiftung hält mit ihrer Jubiläumsausstellung und einer internationalen Konferenz Gericht und fragt nach "Schillers Helden heute". Das Deutsche Nationaltheater hat den "ZeitGenossen Schiller" in sein Kampfprogramm aufgenommen, subsumiert unter diesem Motto drei Inszenierungen, eine Filmreihe, einen Kunst- und einen Essaywettbewerb sowie eine "mobile Helden-Empore" für jedermann. Und der junge, europäisch vernetzte Schiller05-Verein spielt in klassischer Umgebung Räuber und Gendarmen.

In Einheit und Geschlossenheit präsentierten gestern Vertreter der wichtigsten Weimarer Kulturinstitutionen die gebündelten Aktivitäten zum Schiller-Jahr. Man habe aus der Not eine Tugend gemacht, erklärte DNT-Generalintendant Stephan Märki die erfreuliche Kooperationsbereitschaft: "Wir nähern uns arbeitend Schiller."

Was bringt Klassik auf die Bühne?

Die Tugend: Künstler, Wissenschaftler, Mitglieder kleiner und größerer Vereine sind an dem Kollektivvorhaben beteiligt. Das Publikum kann ab April/Mai einer Vielzahl von Veranstaltungen beiwohnen - darunter die Schiller gewidmeten Weimarer Reden, ein Schaufensterwettbewerb und eine Schiller-Nacht im Schlosshof. Die Not: Der Bund fördert nur mit 50 000 Euro, dieselbe Summe gibt das Land. Und für das ursprünglich geplante Theaterfestival, bei dem man alle in Weimar und Jena entstandenen Schiller-Stücke zeigen wollte, reichten weder Zeit noch Geld. So entschied man sich für die Fachtagung.

Unter der Fragestellung "Spieltrieb. Was bringt Klassik auf die Bühne?" soll im November Schillers Dramenästhetik im Kontext heutiger gesellschaftlicher Bedingungen und Bedürfnisse erörtert werden. Bereits im Juni diskutieren die Regisseure Hansgünther Heyme, Alexander Lang und Christoph Schroth über ihre - leider in Weimar nicht zu sehenden - Schiller-Inszenierungen.

Dies korrespondiert mit der am 9. Mai, dem 200. Todestag des Dichters, im Schiller-Museum öffnenden zentralen Ausstellung der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen, die am Beispiel von sieben Bühnenwerken sowohl die Reaktion Schillers auf die Zeitenwende um 1800 als auch deren Deutung in einer nach neuen Orientierungen suchenden Gegenwart anschaulich machen will. Man habe der Frage nach der Aktualität der Dramen den Vorrang eingeräumt gegenüber ihrer Wirkungsgeschichte, begründete Museumsdirektor Ernst-Gerhard Güse die Wahl des Konzepts. Für die Schau will er neue Medien wie Foto, Film und Video nutzen.

Wem dies alles zu theoretisch ist, dem sei die laufende "Kabale und Liebe"-Produktion am DNT empfohlen. Auf die Weimarer Inszenierungen der "Räuber" und "Maria Stuart" muss man noch bis November warten. Theatralische Mittel nutzt auch ein im Mai startendes internationales Performanceprojekt, bei dem sich drei junge Regieteams in Jena, Weimar und Meiningen mit Schillers Fragment "Die Polizey" auseinandersetzen. Die Bauhaus-Universität begleitet das Vorhaben mit einer Publikation.

Aber man kann ja dem Genossen ..., pardon, Zeitgenossen Schiller auch auf der Straße begegnen, als "Gespenst der Freiheit" beispielsweise am 9. Juli, oder seine Empore mieten für eine öffentliche bzw. private Heldenverehrung nach eigener Fasson.

Peter Stein liest "Wallenstein"

Praktische Anregungen liefert das Künstlerkollektiv "Rimini-Protokoll", das Wallensteins Lager im e-Werk aufschlagen wird. Deutschlands bekanntester Theaterregisseur Peter Stein will in der Klassikerstadt die gesamte "Wallenstein"-Trilogie lesen. Und lesen werden im Schiller-Kontext auch - nämlich in der gestern unerwähnt gebliebenen Reihe, die der Lese-Zeichen e. V. mit der Stiftung organisiert - die Autoren Volker Braun, Friedrich Dieckmann, Gisela Kraft und André Schinkel. Der deutschsprachige Essaywettbewerb in Zusammenarbeit mit Lettre International steht unter dem Motto "Die Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet".

Auch Marginales droht - etwa die Rekonstruktion der lettischen Uraufführung von Schillers "Räubern" auf der Grundlage der Übersetzung eines Bauernburschen. Schiller lockt, um einen beliebten und schon beinahe wieder vergessenen Thüringer Werbeslogan aufzugreifen, eben mit vielen Löckchen.

@ Programm unter: schiller-in-weimar.de