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23.08.2006

Sommer am Windigo-See

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Thüringer Autorin auf Erfolgskurs: Antje Babendererde legt mit "Libellensommer" neuntes Buch vor

Von Annerose Kirchner Ein Schwarz-Weiß-Fernseher mit zwei Programmen bot Antje Babendererde in ihrer Kindheit zu wenig Abwechslung. "Ich habe Bücher verschlungen, habe die Geschichten weitergeträumt und damals schon meine eigenen geschrieben", erinnert sich die Autorin aus dem ostthüringischen Liebengrün. Seit fünfzehn Jahren ist sie in der Welt der Indianer unterwegs, hat seit 1994 sieben Reisen nach Nordamerika unternommen und verschiedene Reservate besucht. Ihre jüngste Reise im Mai/Juni galt nicht den Makah, Lakota und Cree in Kanada, sondern den Navajo- und Hopi-Indianern in Arizona. Halbwüste, tiefe Schluchten, rote Felsen, Wacholderbüsche - diese beeindruckende Landschaft wird Antje Babendererde ganz bestimmt in einem ihrer nächsten Bücher verarbeiten.
Inzwischen gilt sie als Erfolgsautorin. Die Auflagen verkaufen sich, die Verlage drängeln und warten auf die nächsten Bücher. Und Antje Babendererde schreibt. Sie sagt von sich: "Ich bin ein Schnellschreiber, das ist eine Krankheit, mit der ich mich plage, die mich aber auch viel schaffen lässt." Ihre Fans sind Jugendliche und Erwachsene, von 14 aufwärts, und auch 30-Jährige tragen sich begeistert ins Gästebuch der Liebengrüner Homepage ein. Beim Lesen vergessen sie Essen und Trinken, schmökern den ganzen Tag. "Ich hab´ mich in eine erfundene Bücherfigur verknallt. Komisch, was? Aber ich glaube, ich bin nicht alleine. Wenn es Jay gäbe, würde ich mich sofort mit ihm anfreunden", lautet der Kommentar einer jungen Leserin zum "Libellensommer", dem neuen, neunten, Buch.

In nur drei Monaten hat die 42-Jährige das Manuskript geschrieben, genau die gleiche Zeit, die sie für "Der Gesang der Orcas" (2003) benötigte. "Libellensommer", das klingt nach einer romantischen Liebesgeschichte, und ohne die kommt keines der Babendererde-Bücher aus. "Liebe ist immer drin", sagt die Autorin, "das wollen die Kids, das macht mir Spaß und ist eine Triebfeder für vieles im Leben."

Ihre Leser lieben die Mischung aus Abenteuer, Ökokrimi, Indianeralltag, alten Mythen und Lovestory. Karl Mays Wilder Westen mit Old Shatterhand und Winnetou ist bei ihnen nicht gefragt. Antje Babendererde hat sich an den Schauplätzen des "Libellensommers" aufgehalten, nur den Windigo-See, den hat sie erfunden. Dort spielt die Geschichte, die im kanadischen Thunder Bay beginnt.

Die Ich-Erzählerin, die 15-jährige Jodie Thompson, haut von Zuhause ab. Wegen des Indianer-Boykotts gegen die Abholzung der Wälder hat ihr Vater den Job verloren und die Familie muss in eine Sozialwohnung ziehen. Das verkraftet Jodie nicht. Unterwegs rettet sie ein Cree-Indianer vor einem Bären und nimmt sie mit in sein Camp fernab der Zivilisation. Jay Muskalunge ist 17 und weiß schon viel über das Leben und seine Tücken. "Wenn einer etwas Falsches tut, kommt es zu ihm zurück." Dieser Satz wird für Jodie, die Jay "Hasenfuß" nennt, noch an Bedeutung gewinnen. Beide verlieben sich, doch ihre Romanze am Windigo-See begleiten dramatische Ereignisse, wie der Tod von Jays Bruder Luke.

Antje Babendererde erzählt flüssig und reißt den Leser mit. Mit ihrem Insiderwissen schlägt sie eine Brücke zu den aktuellen Problemen der Indianer. Waldgeister gegen Planierraupen und Holzerntemaschinen - auf den ersten Blick ein ungleicher Kampf. Doch die Autorin, die sich über ihre Bücher hinaus für Indianer-Projekte engagiert, weiß, dass die Proteste gegen die Abholzung der (Indianer-)Wälder nicht ohne Wirkung bleiben.

Wie geht es weiter mit Jodie, die nach drei Wochen Flucht in ihre Familie zurück kehrt, und mit Jay, der niemals in der Stadt leben möchte? Ihre Zukunft ist offen. Das wird die Leser nicht enttäuschen, im Gegenteil, sie werden eine Fortsetzung dieses Abenteuers wünschen.

Antje Babendererde: "Libellensommer". Arena Verlag, Würzburg 2006. 272 S., 12,95 Euro