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13.03.2008

So neu wie nie

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

So neu wie nie



Heute wird der sanierte Südflügel der Burg Ranis eingeweiht - Am Samstag liest Sigrid Damm

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Merkel "Die Burg Ranis ist vielleicht im besten Zustand denn je", sagt Schlossverwalterin Brigitte Krause.
Das heißt zwar nicht, dass die Sanierungen nicht weiterlaufen müssen. Aber in ihrer fast 1000-jährigen Geschichte stand die Burg schon oft vor dem Verfall. "Der Kampf dagegen wird seit Jahrhunderten geführt", weiß Brigitte Krause.

Am heutigen Donnerstag kann die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Besitzerin den Abschluss eines großen Sanierungsprojektes feiern: die Sanierung des Südflügels. Gleichzeitig wird der mit EU-Mitteln erneuerte Gebäudeteil heute dem Lesezeichen e.V. übergeben, der die einstige Festung in den vergangenen elf Jahren als Literaturburg etabliert hat. Auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hat sich angesagt.

Etwa 15 Räume wurden aufwändig saniert. Vom großen Saal mit Platz für 160 Gäste über die Brandensteinhalle mit der rekonstruierten Holzvertäfelung bis zum Erkerzimmer, in dem die einstigen Burgherrinnen ihren Kaffee mit Blick aufs Städtchen Ranis schlürften. Außerdem wurde die Südflügelfassade neu verputzt und ein neues Treppenhaus eingebaut. Samt Fahrstuhl.

Neben dem Lesezeichen e.V. soll auch ein kleines Café in den Südflügel einziehen, doch noch sucht die Schlösserstiftung einen geeigneten Gastronomen. Darüber hinaus hofft sie, einzelne Räume für Veranstaltungen an Seminargruppen, Firmen oder Vereine vermieten zu können.

Mit der neuen Caféstube würde eine Tradition wiederbelebt werden, die der letzte echte Burgherr, Dietrich von Breitenbuch, begründet hat. "Ende der 20er Jahre eröffnete er eine Gaststätte mit Fremdenzimmern, um die Burg finanziell erhalten zu können", sagt Brigitte Krause. "Breitenbuchs Attraktion war ein Bär." Vor sechs Jahren schließlich setzte sich der letzte Burggastwirt, der Pächter des Ritterstalls, zu Ruhe.

Die Familie Breitenbuch, die dem einfachen Landadel angehörte, ist bis heute der längste Eigentümer der Festung. 1571 kaufte sie die "Herrschaft Ranis" den Rittern von Brandenstein ab. "Die Familien lagen aber noch jahrelang im Clinch", sagt die 59-jährige Verwalterin. "Sie stritten sich um die Benutzung des Burggefängnisses." Damals hießen die bei der Bevölkerung sehr beliebten Breitenbuchs allerdings noch Breitenbauch. Da den Nachfahren der Name missfiel, tilgten sie 1902 das "a".

Der Lesezeichen e.V. will künftig sein jährliches Programm mit den Thüringer Literatur- und Autorentagen, den Sommerwerkstätten und monatlichen Lesungen um weitere Kulturveranstaltungen erweitern. "Zusätzlich sollen auf der Burg Konzerte, Theater, Puppenspiel und Ausstellungen stattfinden", sagt der kürzlich in Ruhestand gegangene Geschäftführer, Martin Straub.

Den Anfang macht der Verein bereits am Samstag mit einem Burgfest. Höhepunkt ist die Lesung der Autorin Sigrid Damm, die um 19.30 Uhr ihren aktuellen Roman "Goethes letzte Reise vorstellen wird.

Zuvor, um 14 Uhr, wird im Museum Burg Ranis die Sonderausstellung "Malereien in Öl und Kreide" eröffnet. Sie zeigt Werke des Landrates a. D. Walter Peter.

Ab 15 Uhr kann der sanierte Südflügel besichtigt werden. Für Kinder gibt es eine Märchenstunde sowie Puppentheater von Henning Hacke. Außerdem wirken das Showballett des Ritterfaschingsvereins Ranis, die Bläsergruppe der Musikschule Pößneck und die diesjährige Raniser Stadtschreiberin Friederike Kenneweg am Festprogramm mit.

>> www.thueringerschloesser.de