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25.05.2005

Sensible Recherche zu Schiller

von mko Ostthüringer Zeitung

Biographin Sigrid Damm Gast der 70. Autorenlesung in Ranis

Ranis (OTZ/M.K.). Wie schafft es eine Schriftstellerin, die Biographie eines Menschen zu schreiben, dessen Tod genau 200 Jahre zurück liegt? Die Antwort gab Sigrid Damm zur jüngsten Autorenlesung in Ranis. Die gebürtige Thüringerin und mehrfach preisgekrönte Autorin, die heute in Rocknäs (Nordschweden) und Berlin lebt, stellte hier ihre Biographie "Das Leben des Friedrich Schiller. Eine Wanderung" vor.

Die Veranstaltung in der Stadtkirche war die 70. monatliche Lesung seit Beginn der Reihe im November 1997 und zugleich würdiger Abschluss vor der Sommerpause. Nach den Thüringer Literaturtagen vom 23. bis 26. Juni findet die Reihe im September ihre Fortsetzung.

"Wir hatten immer wieder versucht, Sigrid Damm nach Ranis einzuladen, aber bisher hatte es nicht geklappt, vor allem auch deshalb, weil sie gerade an einem ihrer Bücher geschrieben hat", begrüßte Dr. Martin Straub vom Lesezeichen e.V. die 120 aufmerksamen Besucher. Fast alle Gäste nahmen die Lesung zum Anlass, sich ein Exemplar ihres neuesten Buches signieren zu lassen.

Dass der Aufenthalt der promovierten Germanistin ins Schiller-Jahr fiel, war Krönung der Lesung obendrein. Kritiker bescheinigen Damm "eine glänzende Recherche zu Christiane und Goethe", der ersten authentischen Lebensgeschichte von Goethes Ehefrau, die zum erfolgreichsten Goethe-Buch des Jahres 1999 wurde. Und seitdem fühlte sich die Autorin in Weimar zu Hause wie in "meiner Wohnstube". Das genaue Studium der Briefe, eingeschlossen der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller, mündete in der im Jahr 2004 erschienenen Biographie. "Es gibt Biographen, die geben sich allwissend und stellen ihre Allwissenheit heraus.

Sigrid Damm aber stellt eine höchst genaue, penible Recherche an. Sie verbreitet keine akademischen Weisheiten, sondern stellt sich in ihren Werken in den Dienst der handelnden Personen", stimmte der Literaturwissenschaftler Straub in die Lesung an, worauf der Gast erwiderte: "Damit fühle ich mich sehr wohl verstanden".

Mit warmer, zarter Stimme las Sigrid Damm, die sich im Anschluss viel Zeit für ein Gespräch mit ihren Lesern nahm. Dabei hatte sie sich zudem zurück erinnert, vor 40 Jahren schon einmal in Ranis gewandert zu sein.