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26.09.2008

Sensible Lyrik

von paf TLZ

Erfurt. (tlz/paf) Der Lyriker und Übersetzer Reiner Kunze wurde am Donnerstag mit dem Thüringer Verdienstorden geehrt. Die höchste Auszeichnung des Freistaats wurde ihm bei einem Empfang in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) überreicht. Von 1962 bis zu seiner Übersiedlung 1977 nach Bayern lebte der Autor in Greiz. In seiner Laudatio sagte Althaus: "Sie sind der Inbegriff eines Dissidenten, vor allem aber sind Sie einer der sprachmächtigsten deutschen Gegenwartslyriker."
Der Ministerpräsident zitierte von Kunze die Zeilen: "Dialektik / Unwissende damit ihr unwissend bleibt / werden wir / euch schulen." Mit kritischer, aber leiser und sensibler Lyrik habe der Schriftsteller viele Menschen in der DDR berührt, ihnen Kraft, Hoffnung und Mut zum Aufbegehren gegeben.

Althaus würdigte Kunze als einen Menschen, der sich um Thüringen in besonderer Weise verdient gemacht habe und der auch heute davor warnt, die DDR als "Kuscheldiktatur" zu verklären. Kunzes Freiheitsliebe wirke beispielhaft fort. Der Laudator betonte: "Ich bin stolz, dass Thüringen für eine Reihe freidenkender, bedeutender Dichter Heimat war und ist. Eine Reihe, die sich von Ludwig Bechstein über Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, über Goethe und Schiller, über Theodor Storm bis Ricarda Huch, Tankred Dorst, Jürgen Fuchs, Lutz Rathenow, Wulf Kirsten bis zu Reiner Kunze zieht."