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10.10.2007

Sehnsucht nach Geschichten

von Franziska Nössig Thüringer Allgemeine

Jetzt, da die Tage kürzer werden und man es sich gern mit einer Tasse heißem Tee gemütlich macht, beginnt auch die Zeit der Märchen. Wer da lieber lauscht als selbst zu lesen, ist beim Thüringer Märchen- und Sagenfest genau richtig.
MEININGEN. Bizarre Wesen, ferne Länder und unbekannte Kulturen begegnen uns im Märchen, in Mythen und Sagen. Dass man mit Märchen die Welt entdecken kann, will auch das Thüringer Märchen- und Sagenfest vermitteln, das die diesjährige Veranstaltungen unter genau dieses Motto stellte. "Denn über Märchen lernen wir das Leben kennen und indem Märchen andere Kulturkreise veranschaulichen, erziehen sie zu Neugier und Toleranz", ist Dr. Martin Straub vom Lese-Zeichen Jena überzeugt.

Vor diesem Hintergrund führen die Erzähler und Puppenspieler, Lesungen und Schattenspiele des Thüringer Märchen- und Sagenfestes das Publikum in diesem Jahr in die ganze Welt. Bereits im Mai begann das Fest und bis zum 27. Dezember sind etwa in Meiningen noch Märchen aus dem hohen Norden und dem Orient zu hören, ebenso wie russische und französische. Auf Hans Christian Andersens Spuren begibt man sich in Nordhausen und auch Arnstadt lädt zu seinen Märchentagen ein.

Aber auch die deutschen Sagen und Märchen kommen nicht zu kurz, schließlich gilt es im Märchenland Thüringen, die Traditionen zu pflegen. Das sind zum einen die literarischen mit Schriftstellern wie Musaeus und Bechstein, zum anderen aber auch die Thüringer Schlösser und Burgen als architektonische Traditionen und Denkmäler. Sie sind größtenteils auch die Orte, an denen während des Märchen- und Sagenfestes gelesen und erzählt wird. Nicht zu vergessen ist Thüringen als Märchenort selbst, etwa als Heimat von Frau Holle. Die Vorlage dieser Figur war wohl die heidnische Göttin Hulda, die im südwestlichen Teil des Landes als Gottheit der Fruchtbarkeit und der Vernichtung verehrt bzw. sehr gefürchtet wurde. Während Frau Holle bei den Brüdern Grimm zu einer stark romantisierten Figur wird, betont Bechstein in seinen Erzählungen ihren wilden, oft zerstörerischen Charakter.

Nun ist das Märchen- und Sagenfest aber nicht allein diesen Traditionen verhaftet, sondern wendet sich auch der gegenwärtigen Märchensituation zu. Zwar entstehen heute keine Volksmärchen mehr, aber das Bedürfnis nach Zuwendung und Kommunikation bei den Zuhörern wächst stetig. Dieses anspruchsvoll zu befriedigen und dadurch die Märchen als Sprach- und Kulturgut zu vermitteln, ist das Ziel des Festes sowie der etwa 20 Märchenerzähler in Thüringen. Einen weiteren Gegenwartsbezug hat das Fest durch die Verleihung des Thüringer Märchen- und Sagenpreises "Ludwig Bechstein". Dieser Preis würdigt Personen, die sich um die Pflege und Vermittlung von Märchen verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Preis an den Berliner Grafiker und Illustrator Klaus Ensikat. So wird zum ersten Mal seit der Vergabe des Preises auch die Illustrationskunst als Methode geehrt, Märchen für folgende Generationen aufzubereiten und über eine bildliche Darstellung zu pflegen.

Das vollständige Programm gibt es im Internet unter www.thueringen-tourismus.de.