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14.10.2014

Schriftsteller Peter Wawerzinek liest auf Burg Ranis

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Peter Wawerzinek las in Ranis aus seinem Buch "Schluckspecht". Foto: Mario Keim

Explosive Lebensfreude und Verzweiflung: Berliner Schriftsteller Peter Wawerzinek stellt in Ranis Buch "Schluckspecht" vor.
Ranis. Frauen sind die besseren Leser. Nach Angaben der gerade zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse greifen 46 Prozent aller Frauen täglich oder mehrmals zu einem Buch, aber nur 30 Prozent der Männer. Bei der Lesung mit Peter Wawerzinek auf der Burg in Ranis waren nur ein Viertel der 40 Besucher Männer - kein Einzelfall.

Die Zuhörer erlebten eine unterhaltsame Lesung zu einem eher ernsten Thema. In "Schluckspecht" behandelt der Autor in autobiografischen Zügen sein Leben, wie es dem heute 60-Jährigen einst zu schaffen machte. Dabei wählte der Schriftsteller wie in den meisten seiner Werke die Ich-Form und erzählte in bedrückender, aber auch befreiender Weise vom Leben eines nach Alkohol süchtigen Menschen. Er schilderte die Umstände, die ihn in diese Situation brachten und die ihn schließlich nach langer Zeit zu einem Ausweg führten.

Es war nicht nur der zitierte Satz "Kommst Du mit in die Kneipe", der aus Peter Wawerzinek einen "Schluckspecht" machte. Vielmehr waren auch die familiären Verhältnisse ausschlaggebend, die in dem Buch an der Sucht von Onkel und Tante vorbeiführten.

"In der Bockbierzeit zum Trinker gereift"

Peter Wawerzinek wuchs in Heimen und bei Adoptiveltern auf. Seit 1988 ist er nach verschiedenen Gelegenheitsberufen als freier Schriftsteller tätig, ist Regisseur und Hörspielautor. Die Frage "Trinker oder Säufer?" philosophiert er in dem Buch "Schluckspecht". "Der Trinker wird geheiligt, der Säufer wird zum Problem", liefert er die passende Antwort. Der Berliner, der in der DDR Sänger einer Punkrockband war, schildert auch seinen Zugang zur Musik ("Wer braucht schon den normalen Alltag?"), der ebenfalls prägend für den Alkoholkonsum war: "Ich habe mich früh an die Schwarze Johanna gebunden... Ich bin in der Bockbierzeit zum Trinker gereift."

Peter Wawerzinek lieferte in 90 Minuten eine besondere Lesung: Er sang frei Liedtexte aus seinem Buch, zeigte einen Reichtum bei Intonation in Tempo, Dynamik und Gestik. Ja, sein Talent in Geist und Vortrag war eine reife schauspielerische Leistung, die das Publikum gerade deshalb oft lachen ließ. Vergessen war die eigentliche Dramatik im Leben der Hauptfigur.