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13.07.2007

Schriftsteller Michael Rudolf tot

von Matthias Biskupek

Er war ein Schriftsteller, der mit Humor und Satire umging ? und in seiner Heimatstadt Greiz nicht sonderlich gelitten war. In Frankfurt/Main, Berlin-Friedrichshain und Berlin-Kreuzberg hingegen druckte man seine Texte, so bei ?titanic? und ?Eulenspiegel?, bei ?taz? und ?junge welt?.
Vom Jahrgang 1961 lernte er das Schul- und Studienwesen der DDR noch ausgiebig kennen, brach ab, wurde Bierbrauer und machte sich mit Bierlexika weithin unbeliebt. Zwei Dutzend eigener Bücher und Herausgaben voller feingesponnener Prosa brachten wenig Geld und Ruhm nur in Kenner-Kreisen. Als Vorlese-Entertainer fühlte er sich trotz glänzender Pointen fehlbesetzt. Mit der Verlagsgründung ?Weisser Stein? erlitt er nach 1990 Schiffbruch; auch ich hatte daran mit einem meiner Bücher Anteil. Als ich ihn vor einiger Zeit um Mitarbeit an einer Anthologie bat, war er wenig aufgeräumt, sprach von Depressionen. Im Februar dieses Jahres verschwand er, leicht bekleidet, mit Rucksack wie sein alter ego Holger Sudau, den er gelegentlich als Pseudonym nutzte. Am Montag wurde der Verfasser auch von kulturhistorischen Büchern zum Vogtland und eines Pilzbuches ausgerechnet von einer Pilzsammlerin im Wald gefunden. In seinem Rucksack hatte er einen Strick mitgeführt.