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03.06.2011

Schöpfer im kleinen Welttheater

von Frank Quilitzsch TLZ

Hans-Jürgen Döring mit seinem Gedichtband. Foto: Michaelis

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Poet Hans-Jürgen Döring ist mit 60 zwar noch kein bisschen weise, aber sehr leise - und wird erhört.

Erfurt/Leinefelde. In der Politik kämpft er kollektiv für den Erhalt der Thüringer Kulturlandschaft, und in der Poesie bereichert er sie. Dort schuf er sich sein eigenes kleines Welttheater: "Theatrum Mundi" heißt das schwarze Bändchen, das 33 Gedichte des schreibenden SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Döring versammelt - eine kleine Auswahl aus vieljähriger poetischer Schöpfung. Die FDJ hat seine lyrische Veranlagung gefördert, und die Begegnung mit Jürgen Fuchs, dem Jenaer Oppositionellen, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, machte ihm Mut, die Widersprüche des Sozialismus zu benennen.

Lyrik, bekennt der 1951 in Magdeburg geborene Lehrer für Sport und Deutsch, der bis 1989 im Eichsfelder Hundeshagen unterrichtete, sei für ihn anfangs nur ein Ventil gewesen. Heute ist sie seine Passion. Aber Poesie darf nicht vordergründig politisch sein, so sein Credo, nur dann könne sie politisch wirken. Döring, der die Silly-Rockmusik liebt und bei Tamara Danz mal eine Nacht mit Rio Reiser durchgesoffen hat, dichtet überall - im Zug, bei Spaziergängen und im Landtag. Er hat die SPD im Eichsfeld mitgegründet und das Thüringer Literatur Quintett (TLQ) mit aus der Taufe gehoben. Dort, wo die kommunalen und Landeszuschüsse nicht hinlangen, hilft er manchmal mit TLQ-Benefizlesungen nach.

Auf der Homepage wünscht das Landtagsmitglied Döring seinen Besuchern einen "angenehmen Aufenthalt". Den erlebt, wer den Link "Meine Lyrik" anklickt, tatsächlich, selbst wenn das jüngste Gedicht an die Tragödie von Tschernobyl erinnert: "Und es trompetet der dritte Engel / und ein großer Stern fällt / leuchtend in den Fluss / Wermut sein Name".

Dem Mann der Worte gilt Handeln seit jeher mehr als Rhetorik. Deshalb wurde Döring Politiker - einer, der den Spagat übt zwischen Utopie und Wirklichkeit, zwischen Katholizismus und Sozialdemokratie. Einer, der sich mit seinem Mut auch den Zweifel bewahrte und vor allem die Fähigkeit nicht verlor, sich selber in Frage zu stellen. Mit 60 ist der dichtende Parlamentarier zwar noch kein bisschen weise, aber angenehm leise. Deshalb wird er erhört.