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19.12.2015

Schöne Bücher als Energiespeicher: Jubiläum für bibliophile Buchreihe aus Thüringen

von Annerose Kirchner Ostthüringer Zeitung

Der Verleger Jens-Fietje Dwars in seinem Arbeitszimmer in Jena. Foto: Dieter Urban

Seit zehn Jahren gibt Jens-Fietje Dwars die feine bibliophile Reihe „Edition Ornament“ heraus. Auch der Almanach zum Jubiläum ist ein buchkünstlerisches Ereignis.

Bucha bei Jena. Wie es um das bibliophile Buch bestellt angesichts zunehmender Digitalisierung? Eine berechtigte Frage, dennoch muss man keine Bange haben, denn es gibt sie noch, die Verleger, meistens Einzelkämpfer, die sich in ihrer Nische selbstlos für das schöne Buch engagieren und es in kleinen, edlen Auflagen unter ihre Anhängerschaft bringen.

Einer aus dieser Zunft ist Jens-Fietje Dwars (55) aus Jena, der in Personalunion gleich mehrere seiner schöpferischen Talente auslebt. Er ist Buchautor, Essayist, Herausgeber, Filme- und Ausstellungsmacher und frönt seit 2005 seiner Leidenschaft für das schöne Buch als Ideenfinder, Gestalter und auch Illustrator. Er tummelt sich damit auf der gleichen Spielwiese wie der Rudolstädter Büchermacher Jens Henkel, der seit 25 Jahren in seiner Burgart-Presse hochkarätige Pressendrucke und Künstlerbücher verlegt.

Edition umfasst bereits 17 Bände

Dwars, der ursprünglich Philosophie studierte und seit 2000 freier Schriftsteller ist, etablierte vor zehn Jahren im Quartus-Verlag Bucha bei Jena die „Edition Ornament“, eine feine, besondere Buchreihe. Parallel dazu betreut er das literarische Journal „Palmbaum“, das sich über Thüringens Grenzen hinaus längst einen Namen gemacht hat. Auch hier kommt Dwars‘ Faible für die Verbindung von Wort, Text und Bild zum Tragen, in der künstlerischen Einbandgestaltung und in Porträts über die mitwirkenden Illustratoren.

Die „Edition Ornament“ erscheint nach dem Vorbild der Reihe „Der jüngste Tag“, die der große Verleger Kurt Wolff 1913 bis 1921 herausgab und mit Titelaufklebern, „Deckelschilder“, versah. Das führt Dwars fort und beklebt die edlen schwarzen Pappeinbände seiner Edition mit „handmontierten Etiketten“. Die fadengehefteten Ausgaben erscheinen in einmaligen Auflagen in je 500 bis 750 nummerierten Exemplaren, haben Lesefädchen und farbiges Vor- und Nachsatzpapier. Jeweils 50 Exemplare erscheinen als Vorzugsausgaben, mit beigelegter Originalgrafik und handgebunden von Ludwig Vater, Jena.

Aktuell umfasst die Edition 17 Bände. Dazu sieben „Außer Reihe“ – hier sind die Gedichte von Wolf Wondratschek hervorzuheben, die bereits in zweiter Auflage herauskamen. Und kaum zu glauben, diese exzellenten Büchlein sind preiswert zu haben, kosten 14,95 Euro, die Vorzugsausgaben je 50 bis 60 Euro.

Wie einst Kurt Wolff, der Johannes R. Becher, Gottfried Benn oder Georg Trakl verlegte, ist auch Jens-Fietje Dwars ein Entdecker in Sachen guter, neuer, vor allem mitteldeutscher, Literatur. Dafür stehen Autoren und Dichter von Rang wie Friedrich Dieckmann, Richard Pietraß und B.K. Tragelehn und selbstverständlich auch Thüringer wie Matthias Biskupek und Wolfgang Haak.

Almanach zum Zehnjährigen

„In Büchern zu blättern, zwischen Text und Bildern zu vergleichen, das hat mich schon als Kind fasziniert“, sagt Dwars. Im Gegensatz zum schmückenden Ornament, das nur im kontrastierenden Editionsnamen auftaucht, sind seine Bände „scheinbar ganz schmucklos, aber gerade durch die Askese schön.“ Zum Zehnjährigen gab er einen Almanach heraus – der natürlich, wie sollte es anders sein, ein kleines Kunstwerk ist, mit Rückblicken, Gesamtverzeichnis, Texten und vor allem Abbildungen herrlicher Grafiken, so von Karl-Georg Hirsch und Kay Voigtmann. Darin muss man immer wieder blättern. Den Verleger wird das freuen. Er hat schon weitere Pläne.

Noch vor Weihnachten erscheinen Novellen von Paul Scheerbart zu dessen 100. Geburtstag, illustriert von Horst Hussel. Der nächste Reihenband wird drei Erzählungen von Rolf Schneider und Holzschnitte von Klaus Süß beinhalten. Darauf folgen Gedichte von Holger Teschke, mit Grafiken von Walter Herzog. In Vorbereitung ist eine einzigartige Ausgabe: der Briefwechsel zwischen den Künstlern Horst Hussel und Gerhard Altenbourg.

„Schöne Bücher sind Energiespeicher für dunkle Tage wie im Herbst und Winter“, meint Dwars. „Wer sie öffnet, den weht ein Frühlingswind an, die Seele weitet sich, Licht fällt ein und wärmt.“ Dem kann man sofort zustimmen.