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31.01.2011

Schloss Lemnitz als Archiv für Nachlässe thüringischer Schriftsteller im Gespräch

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Andreas Berner, Deutschlehrer, Grafiker, Kunstfotograf und Vorsitzender des Lese-Zeichen e.V. Jena. Foto: Marius Koity

Das Lemnitzer Schloss ist als Nachlass-Archiv im Gespräch. Es soll, sofern sich die gegenwärtigen Ideen langfristig verwirklichen lassen, die Vermächtnisse thüringischer Schriftsteller und Sprach- bzw. Mundartforscher aufnehmen.

Lemnitz/Ranis. "Für eine solche Einrichtung gibt es in Thüringen einen echten Bedarf", war am Wochenende auf der Jahreshauptversammlung des Lese-Zeichen e.V. vom Vereinsvorsitzenden Andreas Berner zu hören. Der Förderverein thüringischer Autoren mit Sitz in Jena und Projektbüro auf der Burg Ranis will bis Ende dieses Jahres die "rechtliche und theoretische Basis" eines solchen Nachlass-Archives setzen und zunächst die technische Machbarkeit prüfen lassen.


Hierbei arbeitet der Lese-Zeichen e.V. mit dem Sprach- und Kulturverein von der Gabelentz aus Lemnitz zusammen, der seit Jahren nach einer sinnvollen Nutzung für das 1739 bis 1747 erbaute Barockschloss sucht. Dieses war unter anderem dem Sprachforscher Hans Conon von der Gabelentz (1807 -1874) eine Heimstätte.

Gäste der Versammlung waren Yvonne Lieder und Heike Knopp vom Vorstand des Lemnitzer Vereines. "Wir sind ganz froh über diese Verbindung", sagte Lieder. Mit dem Vorstand des Jenaer Vereines wurde unter anderem ein erster Vor-Ort-Termin noch im Februar vereinbart.

Das Land fördere richtigerweise die thüringische Literatur, sagte Berner. Da müsse man sich aber auch Gedanken machen, was mit der ganzen Arbeit geschehen soll, wenn es deren Schöpfer eines Tages nicht mehr gibt.

Stadtarchive und andere Dokumentensammlungen, war zu hören, würden die Nachlässe regionaler Schriftsteller und Sprachforscher nur selten übernehmen wollen oder können, weil sie Aufbewahrung und Aufarbeitung des speziellen Schriftgutes weder finanziell noch fachlich stemmen könnten. Autoren wie Landolf Scherzer begrüßten in der Jahreshauptversammlung das Vorhaben und äußerten die Hoffnung, dass sich ein solches Archiv von einer "Rettungsstelle", was zunächst zu erwarten sei, zur Forschungsstätte entwickeln werde.

Das Orlatal wird auch sonst eines der Schwerpunktgebiete des Vereines bleiben. Neben den Standards wie Literaturtage auf der Burg und Kinderliteraturtage in Krölpa soll es neue Angebote bewusst im ländlichen Raum geben.

So sollen Lesungen in Gärten und Parks fester Teil im Rahmenprogramm der Literaturtage werden. In diesem Frühjahr/Frühsommer sollen zunächst die Grünflächen des Lausnitzer Rittergutes und Lemnitzer Schlosses literarisch erschlossen werden. Eine Lesung ist auch direkt am Wisentgehege im Naturerlebnispark Brandenstein geplant. Dort soll Achim Stegmüller, Raniser Stadtschreiber 2009/2010, seinen im vergangenen Herbst erschienenen Wisentbullen-Krimi "Nox" weiteren Lesern vorstellen.

Im Frühherbst, im Umfeld des Thüringer Märchen- und Sagenfestes, soll eine Familien-Märchen-Radtour stattfinden. Das Programm soll auf den Orlaradweg zugeschnitten werden, teilte Projektleiterin Anke Scheller mit. Hier arbeitet der Lese-Zeichen e.V. mit dem Radsportverein Neustadt und dem Kreissportbund Saale-Orla zusammen.

Die Region ist auch im neuen Vorstand des Literatur- und Lesefördervereines bestens vertreten. Andreas Berner, Deutschlehrer, Grafiker und Fotograf aus Wurzbach, wurde für weitere zwei Jahre zum Vorsitzenden gewählt. Neu in dem Gremium ist die Schriftstellerin Verena Zeltner aus Neunhofen.