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21.02.2014

Schließung des Museums Burg Ranis: Immer noch Hoffnung auf Rettung

von Luise Schendel TLZ

Identitätsstiftend in der Region: Dem Museum auf Burg Ranis droht im Oktober die Schließung, doch es gibt Rettungspläne.Foto: Lutz Prager

Die einzigartige Seismologische Sammlung auf Burg Ranis ist von der Schließung bedroht

Ranis. Schließungen, Mittelkürzungen, Stellenabbau: Die Thüringer Museen in Gera und Eisenach gelten derzeit als Sorgenkinder der hiesigen Kulturlandschaft. Dahinter gerät das gleichfalls massiv bedrohte Burg- Museum des Städtchens Ranis schnell in Vergessenheit.

Dabei geht es dort, mehr noch als in Gera oder Eisenach, um die Existenz: Ranis werde im Jahr 2017 ein Haushaltsdefizit in Höhe von 198000 Euro verzeichnen, so die Prognosen. Zuviel für das kleine Städtchen. Zuviel für das im Durchschnitt 15000 bis 17000 Besucher jährlich zählende Museum auf der Burg. Der Rotstift wird deshalb, wie so häufig derzeit in Thüringen, an der Kultur angelegt. Knapp 50000 Euro kosten Mietausgaben und Betrieb des Museums. "Die Stadt Ranis will das Museum, kann und darf aber nicht mehr", erklärte der Bürgermeister des Städtchens, Andreas Gliesing.

Bedauern klang aus seinen Worten, als er - wohl wissend, was eine Abkehr von den kulturellen Rohstoffen der Stadt für die Region langfristig bedeuten würde - von den "bittersten Entscheidungen" seiner Amtszeit sprach. Schließlich habe das Museum "einen sehr hohen Identifikationsgrad", so Gliesing. Nichtsdestotrotz wurde die Miete für das 1926 von Dietrich von Breitenbuch gegründete Museum fristgerecht vom Landesverwaltungsamt gekündigt - zum 31. Oktober dieses Jahres.

Davon hauptsächlich betroffen ist die Kollektion ur- und frühgeschichtlicher Exponate, die ebenso von internationaler Bedeutung ist, wie die einzigartige Sammlung historischer seismologischer Messgeräte. Betreut durch den Geowissenschaftler Thomas Jahr von der Universität Jena und angegliedert an das Geodynamische Observatorium Moxa bilden sie ein wahres wissenschaftshistorisches Kleinod der Erdbebenforschung. Dieses werde mit dem Auszug des Museums aus Burg Ranis für die Öffentlichkeit auf unabsehbare Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen. Um dies zu verhindern und die Thüringer Museumslandschaft zu erhalten, wurde jetzt durch Bürgermeister Giesling, Vertreter des Landkreises und der Burg-Eigentümerin, der Stiftung Thüringer Schösser und Gärten, sowie dem Thüringer Museumsverband ein provisorischer Rettungsplan erarbeitet. "Es gilt, die bereits beschlossene Schließung doch noch zu verhindern", betont Verbandsgeschäftsführer Holger Nowak.

Bewerkstelligen wolle die Interessengemeinschaft dies beispielsweise mit musikalisch-literarischen Benefizveranstaltungen und förderfähigen, öffentlichkeitswirksamen Projekten, die Geld in die Kassen der Stadt Ranis spülen sollen. Auch der Internationale Museumstag soll in diesem Jahr am 18. Mai in Ranis gefeiert werden. Die Ortswahl für dieses Großereignis ist keineswegs ein Zufall. "Wir wollen am Beispiel der Burg auf den Zustand der Thüringer Museumslandschaft hinweisen", so Nowak.

Auch ein Bündnis mit dem durch Restitutionsforderungen schwer belasteten Museum auf Schloss Burgk könnte einen Rettungsweg von vielen eröffnen. "Zum Beispiel wären Korrespondenz-Ausstellungen mit Schloss Burgk denkbar. Darüber haben wir schon mit Museumsleiterin Sabine Schemmrich gesprochen." Vielleicht könne dies auch zur Bildung einer Kunstachse führen, orakelt Nowak. Fest stehe aber, dass auch die mietnehmende Stiftung keinen Leerstand auf der baulich einwandfreien Burg möchte. Bis Ende April müssen die Projekte fertig geplant sein, um dem endgültigen Aus des Museums noch entgehen zu können. Doch "es ist ein Spiel auf Zeit", wie Nowak sagt. Die erhofften Förderungen vom Ministerium wären immer nur ein Jahr lang gültig. Dann gehe die Projektentwicklung wieder von vorne los. "Ferne Kunde bringt dir der schwankende Fels: Deute die Zeichen" schrieb der Seismologe Emil Wiechert einst. Deutlicher kann es kaum gesagt werden.