Presse - Details

 
10.06.2006

Schlechte Stimmung nicht gelten lassen

von mko Ostthüringer Zeitung

Ein Abend über die starken Seiten der deutschen Wirtschaft am 15. Juni zum Auftakt der Literaturtage auf Burg Ranis
Ranis.

Die politischen Diskussionen über die deutsche Wirtschaft sind ihrem Tempo seit Jahren nicht mehr gewachsen und auch die öffentliche Wahrnehmung des Rückgrates unserer Gesellschaft wird der Realität nicht gerecht. Dieses Unverhältnis nützt keinem wirklich. Manche Parlaments- oder Stammtischdebatte würde uns erspart bleiben, wenn sich die Redner wirklich mit den treibenden Kräften der deutschen Wirtschaft auseinandergesetzt hätten.
Eine Handreichung in diesem Sinne ist das Buch "Made in Germany - Die starken Seiten der deutschen Wirtschaft", das bei Econ in Berlin erschienen ist. Autor ist der Wirtschaftsjournalist Olaf Preuß und mit seiner Sicht der Dinge bestreitet er am 15. Juni um 19.30 Uhr die erste Lesung der diesjährigen Literatur- und Autorentage auf Burg Ranis. Den Abend, den Landrat Frank Roßner als Schirmherr des Kulturfestivals um 18.30 Uhr eröffnet, wird die erste öffentliche Veranstaltung im frisch sanierten Palas der Burg sein.

Sanierung ist eines der spannendsten Stichwörter in dem Buch. Preuß lässt hier beispielsweise den Manager Utz Claassen sprechen, der zuletzt den Energieversorger EnBW vom Milliardenverlierer zum profitablen Unternehmen umbaute. Claassen sagt: "Wir haben in unserer Republik zu Sanierern eine sehr merkwürdige Einstellung. Sozial ist man nur, wenn man weitermacht wie bisher. Reformieren und Modernisieren gilt dagegen als unsozial." Das ist eine von mehreren bitteren Wahrheiten, die Preuß in seinem 200-seitigen Band dokumentiert, und wenn auch Claassen als umstritten gilt, seine Sätze beschreiben eines der mentalen Probleme der Deutschen, die überwunden werden müssen, wenn Deutschland mit der Entwicklung in der Welt Schritt halten will.

Hilfreich ist da Bildung, ein "entscheidender Rohstoff" der Bundesrepublik, der richtig gefördert und mutig veredelt werden muss. Die deutsche Wirtschaft hat sich in der Welt schon immer durch Innovation behauptet, wofür der Begriff Made in Germany steht. Diesen Begriff hatten einst die Briten geprägt bzw. deutschen Produkten regelrecht aufgezwungen, damit diese auf der Insel boykottiert werden können. Die Deutschen waren im 19. Jahrhundert nämlich die Chinesen des 21. Jahrhunderts. Made in Germany entwickelte sich allerdings zur "erfolgreichsten Imagekampagne aller Zeiten" der deutschen Industrie.

Auch mit diesem Beispiel plädiert Preuß für mehr Selbstvertrauen, denn so mies, wie er oft gemacht wird, ist der Wirtschaftsstandort D mit seinen Weltmarktführern und Technologiepionieren nicht. Preuß lässt die notorisch schlechte Stimmung nicht gelten, zumal diese oft von den Leuten in der Wirtschaft verbreitet wird, die kaum Grund dazu haben. So wirbt das Buch für ein ethisches Unternehmertum, aber auch für mehr Leistungsbereitschaft an jedem Ausbildungs- und Arbeitsplatz, Grundlagen des jeweiligen persönlichen Erfolgs. Mit mehreren Beispielen zeigt der Autor, dass es sich letztlich für alle lohnt, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihren Job gut machen. Hier gibt Preuß etwa Wolfgang Grupp das Wort und der "Patriarch" des größten deutschen Textilherstellers Trigema sagt: "Ich lebe von meinen Mitarbeitern, und sie leben von mir."