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06.05.2011

Schirneck stellt seine Politsatire vor

von Kai Agthe TLZ

Die Umfragewerte stimmen. Roman Kowalski, Kandidat der Guten Deutschen Partei, kurz GDP, für das Amt des deutschen Bundeskanzlers, kann zufrieden sein. So beginnt der Roman "Smiling Death" des Weimarer Autors Hubert Schirneck. Weimar. Nach einem Studium und universitärer Tätigkeit in Paris ist er in die deutsche Politik gegangen. Ein Strahlemann mit Musterbiografie und von einem zu-Guttenberg-Format, dem eine große Karriere winkt.
Mag er sich mit seiner Frau auch auseinandergelebt haben, so kann er sich über seine Schwester Johanna freuen. Die hat mit Doppler einen erfolgreichen Geschäftsmann geheiratet, der mit seinen Produkten weltweit führend ist. Bei der Hochzeit der Schwester erlebt Kowalski, was den Erfolg der Doppler GmbH, die Exekutionsbedarf herstellt, ausmacht. Die jüngste Erfindung ist ein "Smiling Death" genannter Tötungsapparat. Hier wird aber nicht mit Strom oder Gift oder Gas getötet, sondern der Delinquent wird von überwältigend schönen Träumen hingerichtet.

Makabres Szenario möglicher Zukunft

Kurz vor den Wahlen droht aus Kowalskis Traum vom politischen Höhenflug ein albtraumhafter Absturz zu werden. Er wird von seiner Vergangenheit eingeholt, und zwar in Gestalt von Brandenburger. Der versucht den früheren Weggefährten zu erpressen: Entweder verzichtet Kowalski auf seine Kanzlerkandidatur oder er, Brandenburger, verlautbart, dass der Politiker vom Typ Schwiegermutterliebling mit ihm und anderen als "Revolutionäre Gruppe 3" vor Jahren einen Anschlag auf das Atomkraftwerk Riesenbeck verübte. Nicht nur, dass Kowalski politisch am Ende wäre, wenn das öffentlich gemacht würde. Noch schlimmer ist, dass auf Terrorismus, der als Straftatbestand nicht verjährt, die auch von Kowalski befürwortete Todesstrafe steht. Guter Rat ist also teuer.


Hier kommt Schwager Doppler ins Spiel. Der verspricht, die Sache mit Hilfe von Klaus zu lösen. Der ist ein Killer und wird auf Brandenburger angesetzt. Das Vorhaben scheitert. Also versucht Kowalski den Mann aus seiner verdrängten Vergangenheit selbst auszuschalten. Er wird jedoch verhaftet, verhört und wegen Terrorismus und Anstiftung zum Mord wohl zum Tode verurteilt. Geschrieben steht das nicht. Aber im letzten Kapitel hat Kowalski derart schöne Träume, wie sie nur Dopplers Hinrichtungsmaschine "Smiling Death" bieten kann ...
Der Weimarer Autor Hubert Schirneck - der im vergangenen Jahr unter dem Titel "Das Herz der Dinge" einen Erzählungsband und in diesem Jahr ein Buch mit allerliebsten Osterhasen-Geschichten vorlegte - entwirft hier eine politische Zukunft der Bundesrepublik, die zwar primär satirisch angelegt, aber als ein mögliches Szenario erschreckend überzeugend ist.

Der Autor liest heute, 20 Uhr, im Weimarer Rathaus bei den Lesarten