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24.09.2005

Schiller-Querschnitt ansprechend dargeboten

von het TLZ

Schauspiel, Erzählung und Rap begeistern zum 75. Jubiläum der Greizer Bibliothek

Greiz (OTZ/het). "Auch wir möchten Spuren hinterlassen - wie Schiller." Das hatten sich die Schüler der Klasse 12/3 des Gymnasiums am Donnerstagabend mit ihrem Schiller-Projekt zum Ziel gesetzt. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Greizer Bibliothek präsentierten sie ihre "SCHILLERnden Zeiten", ein Programm, das in den letzten Monaten im Deutschunterricht unter der Leitung von Ingrid Lippold entstanden war. Ohne Frage: Ihr Ziel haben sie erreicht und das zahlreich erschienene Publikum begeistert.

Es konnte Schiller einmal ganz anders erleben. Facettenreich präsentierten die Schüler das Schaffen des Dichters und brachten seine Werke auf ansprechende Weise nahe. Es reichte ihnen nicht, nur ein Werk vorzustellen. Sie präsentierten eine gelungene Mischung aus Erzählung, Vortrag, Musik und Schauspiel. Um den Menschen Schiller besser kennen zu lernen, führten Janet Suchowski, Carolin Danz und Doreen Muster in ihrer Moderation die Zuschauer immer wieder zu wichtigen Lebensdaten. Seinen Alltag an der Karlsschule stellten die Zwölftklässler anhand eines selbst gedrehten Videos dar oder trugen bekannte Balladen wie "Der Handschuh" vor. Inspiriert durch die Freundschaft zu Christian Gottfried Körner schrieb Schiller seine "Ode an die Freude", die von Beethoven vertont wurde. Um Schillers Glück über diese Freundschaft zum Ausdruck zu bringen, trugen Madlin Brettfeld und Janet Suchowski die Ode singend vor.

Daneben gab es einen Auszug aus "Wilhelm Tell", der zum Lesen anregen sollte. Für die passende musikalische Untermalung sorgten Susanne Fischer und Andreas Urbaniak am Klavier. In Hochachtung vor dem Dichter und anlässlich seines 200. Todesjahres überbrachte jeder Schüler zum Schluss eine Rose.

Wie vielseitig man Schiller darbieten kann, zeigte auch "Doppel-U", der das Abendprogramm abrundete. Hatte sich die Zahl der Zuschauer auch etwas verkleinert, war die Begeisterung dennoch nicht geringer bei den Raps von Christian Weirich. Beim Lesen des Gedichtes "Sehnsucht" bemerkte der 22-Jährige den eigenen Sprechrhythmus: "Ach, aus dieses Tales Gründen, / Die der kalte Nebel drückt, / Könnt ich doch den Ausgang finden, / Ach wie fühlt ich mich beglückt! / Dort erblick ich schöne Hügel, / Ewig jung und ewig grün! / Hätt ich Schwingen, hätt ich Flügel, / Nach den Hügeln zög ich hin."

"Man sagt Schiller nach, er sei unmusikalisch. Warum schreibt er dann Raps?" fragte sich "Doppel-U". In seinen Augen war Schiller der erste deutsche Rapper und das schon lange, bevor Hip Hop überhaupt entstand. Seine Begeisterung merkte man Christian Weirich an. Der Funke zum Publikum sprang sofort über und der Applaus war groß. "Doppel-U" ist sich sicher, dass Schiller auch nach weiteren 200 Jahren noch immer topaktuell sein wird. Er möchte, dass man Schiller einmal mit ganz anderen Augen betrachtet. Das ist an diesem Abend sicher gelungen.