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20.11.2003

Schicksal der Anne Frank als Geschichte für heute

von Michael Groß Ostthüringer Zeitung

Ausstellung aus Amsterdam in Jena - Bisher sechs Millionen Gäste

Seit gestern empfängt sie nun auch Besucher in Jena - die Anne-Frank-Ausstellung aus Amsterdam, die in der ganzen Welt bisher schon von gut sechs Millionen Menschen gesehen wurde. Gleichzeitig mit Jena wird sie derzeit auch auf den Philippinen, in Frankreich, Italien und Indien gezeigt.

Die Ausstellung an der Fachhochschule (Carl-Zeiß-Promenade 2, Haus 5, 3. Etage) als wichtiges Anliegen der Stadt Jena, wie Schirmherr OB Dr. Peter Röhlinger gestern betonte, soll ein Stück begreifbar machen, was da vor etwa sechs Jahrzehnten geschehen ist. Dies unterstrich auch Jenas Sozialdezernent Dr. Albrecht Schröter. In seinem Dezernat wurde die Idee geboren, die weltweit anerkannte Exposition nach Jena zu holen. Möglich wurde das durch die Initiative des Jugendamtes und vor allem durch einen breiten Trägerkreis, zu dem unter anderem das Theaterhaus, das Jüdische Bildungs- und Kulturzentrum Jena, der Demokratische Jugendring und das Kontaktbüro gegen Fremdenfeindlichkeit (KoKont) gehören.

Die nach dem Pavillonsystem konzipierte Ausstellung soll eine besondere Atmosphäre schaffen und dem Besucher helfen, sich individuell und ungestört mit dem Thema zu beschäftigen. Ausgehend von dem weltbekannten Tagebuch des am 12. Juni 1929 in Deutschland geborenen und 1945 im KZ Bergen-Belsen gestorbenen jüdischen Mädchens Anne Frank, wird Zeitgeschichte anschaulich dargestellt. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise der 20er Jahre und des aufkommenden Nationalsozialismus wird deutlich, wie der Naziglaube an eine besondere Mission der Deutschen in den Juden die Sündenböcke findet und sich Hass und Angst verbreiten. Die Familie Frank muss sich verstecken in einem Hinterhaus in Amsterdam, wo sie nach ihrer Flucht vor den Nazis im Exil lebte. Im Hinterhaus, wo sich heute das Anne-Frank-Museum befindet, haben sich von 1942 bis 1944 acht Menschen vor drohender Deportation verborgen. Das Tagebuch der Anne Frank schildert die räumliche und menschliche Enge, in der die Acht leben müssen. Im August 1944 wird das Versteck verraten, Familie Frank und die anderen kommen in Arbeits- und Vernichtungslager der Nazis.

Die Ausstellung (montags bis freitags 8-13 und 14-16 Uhr sowie donnerstags bis 18 Uhr) lässt das Umfeld dieser dramatischen Ereignisse plastisch werden, vermittelt Informationen zur Geschichte und schlägt den Bogen zu aktuellen Erscheinungen von Fremdenhass und stereotypem Denken. Der Krieg in Jugoslawien ist ein Beispiel dafür. Denn die Anne-Frank-Ausstellung versteht sich vor allem auch als eine Geschichte für heute.

Anmeldungen für Gruppen sind noch über 0175/7219547 möglich. Einzelbesucher brauchen keine Anmeldung.(Foto: OTZ/Groß)