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21.03.2003

Scherbenhaufen der US-Politik

von dpa TLZ

Autoren verurteilen Irak-Krieg - Deutscher Bücherpreis an Dörrie und McEwan

Berlin/Leipzig (dpa/ddp/tlz) Mit Bestürzung und scharfer Kritik haben Kulturschaffende in Deutschland auf den Beginn des Irak-Krieges reagiert.
Der Verband deutscher Schriftsteller verurteilte den " völkerrechtswidrigen Krieg" .
Der Generalsekretär des deutschen PEN-Zentrums, Johano Strasser, kritisierte, die Bush-Regierung produziere einen "Scherbenhaufen".
Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass sagte, dies sei nicht mehr das Amerika, "das die Stärke hatte zum Marshall-Plan, das die Stärke besaß, die Vereinten Nationen mit durchzusetzen". Hier komme etwas anderes zum Vorschein, das er als beängstigend empfinde und "das sich in der Person des Präsidenten als gemeingefährlich" herausstelle. Grass bezeichnete den amerikanischen Aufmarsch gegen den Irak als einen "seit langem gewollten Krieg". Auf beiden Seiten sei der Krieg in der Sprache des Fundamentalismus vorbereitet worden, wobei sich beide Kontrahenten in ihrer Gut-Böse-Unterscheidung immer mehr annäherten.
Haupt-Diskussionsthema auf der am Donnerstag angelaufenen Leipziger Buchmesse war der Irak-Krieg. Bei allen politischen Veranstaltungen sei das Publikumsinteresse extrem hoch, sagte eine Buchmessen-Sprecherin. Es gebe einen "extrem großen Andrang, mehr als im vorigen Jahr".
Tausende von Besuchern strömten schon am Morgen an die Stände der knapp 2000 Verlage. Bis zum Sonntag rechnen die Veranstalter mit 80 000 Fach- und Privatbesuchern. Allerdings sagten wegen der weltpolitischen Lage einige Politiker und Autoren ihren Leipzig-Besuch ab. Dazu zählen Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel, die Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf und die israelische Journalistin Amina Hass. Sie wurde in Abwesenheit mit dem Demokratiepreis der "Blätter für deutsche und internationale Politik" ausgezeichnet.
Der Verband deutscher Schriftsteller hat am Rande der Buchmesse Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels vorgeschlagen. Der Verbandsvorsitzende Fred Breinersdorfer sagte, die beiden Politiker hätten Standhaftigkeit bewiesen und "aus dem weltpolitischen Abseits für eine friedliche Lösung des Irak-Konflikts gearbeitet".
"Ich hoffe, dass es möglichst schnell und mit möglichst wenig Opfern zu Ende geht, aber am Ende auch die Absetzung Saddams und demokratische Verhältnisse im Irak stehen", sagte der Verleger Bernd F. Lunkewitz von der Aufbau-Verlagsgruppe. Der britische Schriftsteller Ian McEwan und die deutsche Autorin Doris Dörrie haben bei der Leipziger Buchmesse den zum zweiten Mal vergebenen Deutschen Bücherpreis erhalten. Ihre Romane "Abbitte" und "Das blaue Kleid" wurden von der Jury in den Kategorien internationale und deutsche Belletristik ausgewählt.