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10.01.2015

Schaurige Geschichten auf der Burg

von Mario Keim

copyright: Mario Keim

Die Veranstaltung des Lese-Zeichen in Ranis bescherte den 70 Besuchern am Donnerstag einen Jahresauftakt nach Maß


Ranis (OTZ/Mario Keim). Dämmriges Licht im Saal, draußen Regen, zuweilen starker Sturm und Gruselgeschichten am Tisch der Buchhandlung Am Markt. Ein passender Rahmen für schaurige Geschichten, die  Antje Horn am Donnerstag auf Burg Ranis vortrug, dabei begleitet vom Jenaer Saxophonisten Klaus Wegener.
„Das war ein wunderbarer Start. Ich hätte noch zwei Stunden zuhören können. Und diese Mimik beim Erzählen“, sagte Besucher Wolfgang Lutz aus Langendembach. „Wann bekommt man das schon einmal geboten? Eine Reihe von Märchen für Erwachsene“, freute sich auch der Raniser Michael Möse über einen unterhaltsamen Abend.
Die musikalische Lesung mit dem Duo aus Jena war für den gastgebenden Verein Lese-Zeichen ein Jahresauftakt nach Maß. 70 Besucher waren gekommen, um Schauriges und Schönes aus der Weltliteratur zu hören und wurden mit einem beschwingten Auftakt ins neue Literaturjahr verwöhnt. Gegruselt habe sie sich zwar nicht, sagte eine Besucherin aus Pößneck, doch die Erzählweise von Antje Horn habe sie auf besondere Weise beeindruckt.
Die 43-Jährige Erzählerin gefiel mit ihrer weichen, warmen Stimme und ihrer freien Interpretation, die es ihr ermöglichte, mit dem Publikum direkt zu Kommunizieren. Bücher und ein Mikrofon gab es an diesem Abend nicht, dafür andächtige Stille und zufriedene Gesichter unter den Besuchern.
Zu hören waren unter anderem die Geschichte einer Skelettfrau, ein Märchen aus Israel und ein Episode aus dem Leben König Artus, einer literarischen Sagengestalt aus dem Mittelalter.
Als Zugabe trug die Erzählerin eine Geschichte vor, die ihr vor 20 Jahren beim Trampen durch Rumänien erzählt worden war und die sie bis heute nicht vergessen hat.
Dazu passend war das Improvisationsspiel von Klaus Wegener, der auf dem Saxophon und auf der Klarinette musizierte. Den 53-jährigen hatte Antje Horn in Jena bei verschiedenen Gelegenheiten gesehen. Ihn konnte sie für gemeinsame Projekte gewinnen, die beide im Sommer des vergangenen Jahres zusammen führten.
Antje Horn arbeitet seit 14 Jahren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Jena. Daneben absolvierte sie eine Ausbildung am Institut für Erzählkunst in Hannover und arbeitet seitdem im Zweitberuf als Geschichtenerzählerin.
Der gebürtige Hamburger Klaus Wegener studierte Klarinette und Saxophon in Lübeck, Berlin und Weimar. Er spielt in zahlreichen Ensembles und tritt ebenso als Solist auf. Seit 1992 ist er Lehrer an der Musik- und Kunstschule Jena. Er ist der Gründer und Leiter der Jenaer Big Band.
„Es ist einfach wunderbar. Bilder, aber auch Geschichten werden im Kontext mit der Musik ganz anders wahrgenommen. Aber auch Musik klingt im Zusammenspiel mit den Geschichten anders. Es ist auf jedenfalls ganz spannend und ein schönes Projekt“, sagte Klaus Wegener.
Für den Verein Lese-Zeichen, dessen Mitglied Antje Horn seit Mai 2014 ist, ist die Jenenserin ein Glücksfall. „Sie wird sehr gut beim Publikum angenommen. Mit ihr konnten wir eine gute neue Erzählerin hinzu gewinnen“, freut sich Lese-Zeichen-Geschäftsführerin Uta Utzelmann. Antje Horn hat mehrere Programme, darunter auch für Kinder. Damit ist sie auch in diesem Jahr wieder zur Eröffnung des Thüringer Märchen- und Sagenfestes im September in Ranis zu erleben. Ein aktuelles musikalisch-literarisches Programm befasst sich mit den Märchen, die einst von Nelson Mandela unter dem Buchtitel „Meine afrikanische Lieblingsmärchen“ gesammelt wurden.
In der nächsten Veranstaltung des Lese-Zeichen auf der Burg liest Thomas Hettche am 5. Februar aus seinem Buch „Pfaueninsel.“
Die Auftaktveranstaltung am Donnerstag stand in der Tradition der vergangenen Jahre. „Die Besucher sind interessiert und wissen, dass ihnen immer etwas Neues geboten wird“, sagte Uta Utzelmann.