Presse - Details

 
17.04.2003

Satirisches zum Tag des Lehrers

von Frank Quilitzsch TLZ

Bücherfest sowie Literatur- und Autorentage: Sigrun Lüdde und Thomas Spaniel haben alle Hände voll zu tun.

Weimar. (tlz) Es wird langsam eng im Büro. In den Regalen stauen sich die Bücher der schreibenden Mitglieder, auf dem Tisch liegen Stapel mit Prospekten, Broschüren und Flyern von Projekten, die in diesem Jahr von der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V. realisiert oder begleitet werden. Das Engagement ist weit gestreut. "An erster Stelle stehen für uns die Literatur- und Autorentage", sagt Sigrun Lüdde, die die Geschäfte des fast 90 Mitglieder zählenden Vereins mit Sitz in Weimar führt.

Bei dem vom 10. Mai bis 25. Juni geplanten Festival hat sich Arbeitsteilung bewährt. Während der in Jena ansässige Lese-Zeichen e. V. die Höhepunkte auf der Burg Ranis betreut, organisiert die Literarische Gesellschaft diesmal die Veranstaltungen in Ostthüringen mit Schwerpunkt Gera - Schriftstellerlesungen in Bibliotheken und Schulen, zwei Werkstätten für Kinder sowie eine Weiterbildung, die der Erfurter Kabarettist Ulf Annel zum Tag des Lehrers anbietet. Ein weiteres Zentrum ist Greiz, wo der Rapper Bastian Böttcher auftritt und der Filmklub mit Wolfgang Held dessen Defa-Klassiker "Einer trage des anderen Last" diskutiert.

LESartEN mit Hilbig

Ferner ist die Literarische Gesellschaft am Weimarer Bücherfest "LESartEN" (23. April bis 10. Mai) und an der Museumsnacht (17. Mai) beteiligt. Insbesondere die Lesungen mit Büchnerpreisträger Wolfgang Hilbig (24. April, gemeinsam mit der Buchhandlung Thalia und dem DNT) und dem Weimarer Dramatiker Hans Lucke (25. April, zusammen mit dem Thüringer Hauptstaatsarchiv) gehen auf ihr Konto.

In der Reihe "unterbelichtet" erinnern am 6. Mai in der Jakobskirche die Schriftsteller Gisela Kraft und Wulf Kirsten sowie der Gitarrist Christoph Theusner an den Lyriker Johann Gottfried Herder, dessen 200. Todestag in diesem Jahr begangen wird. Hier engagiert sich die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde für ihren berühmten Superintendenten. Sigrun Lüdde sieht in der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Bibliotheken und Institutionen den besten Weg, um auch künftig ein breites literarisches Angebot gewährleisten zu können.

Auch 2003 soll es drei Bände der von der Literarischen Gesellschaft herausgegebenen Thüringen-Bibliothek "Edition Muschelkalk" geben - mit neuen Texten von Ingrid Annel, Klaus Steinhaußen und Jan Volker Röhnert. Doch es wird zunehmend schwieriger, das literarische Leben in Gang zu halten. Überall Kürzungen und Schließungen. Gerade hat das Kunstministerium wissen lassen, dass es in diesem Jahr keine Arbeitsstipendien für Schriftsteller gewähren werde. 2002 hatten noch fünf Thüringer Autoren die projektbezogene Unterstützung erhalten. Für den regionalen Schüler-Schreibwettbewerb "Weimarer Buchlöwe" (in diesem Jahr wieder ca. 400 Einsendungen), werden dringend Sponsoren gesucht.

Schwerer noch wiegt, dass das Land seine Fördermittel für die Projekte der Literarischen Gesellschaft um ein Drittel gekürzt hat. "Wer sich Literatur nicht mehr leisten will, verzichtet auf wesentliche Teile seines Verstandes", kommentiert Thomas Spaniel, seit 2001 Vorsitzender des mitgliederstärksten Thüringer Literaturvereins, sarkastisch. Literatur sei unersetzbar. Und was würde aus dem literarischen Leben, wenn es die Arbeit der Literaturvereine nicht mehr gäbe?

@ www.literarische-gesellschaft.de