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05.11.2003

Satire auf die Wendehälse

TLZ

Der in Berlin lebende Ungar György Dalos liest in Weimar aus seinem neuen Buch "Seilschaften".

Weimar. (tlz) Mit dem in Berlin lebenden Ungarn György Dalos setzt die Weimarer Reihe "Stimmen der Völker" am 8. November, 16 Uhr, in der "Altenburg" ihre Lese-Konzert-Reihe fort. Musikalisch begleitet wird sie von Zsolt Visontay und von Martin Funda. Sie spielen Duos für zwei Violinen von Béla Bartók.

György Dalos wurde 1943 in Budapest geboren. Schon frühzeitig engagierte er sich in der demokratischen Opposition Ungarns und erhielt Berufs- und Publikationsverbot. In Deutschland ist er kein Unbekannter. Er arbeitete für deutsche Rundfunksendungen und Zeitungen und war Leiter des ungarischen Literaturinstituts in Berlin. Nicht zu vergessen seine Tätigkeit als Kurator des Ungarn-Schwerpunktes auf der Frankfurter Buchmesse 1999. Seine Romane und Essays sind viel gelesen, etwa "Der Gottsucher" oder "Olga Pasternaks letzte Liebe".

Der jüngste Roman "Seilschaften", aus dem er lesen wird, ist schon ein großer Wurf. Hier kommt all das zur Geltung, was Dalos auszeichnet. Vor allem sein Hang zu Ironie und Satire, mit dem er die Situation nach der Wende in Ungarn, der ehemals "lustigsten Baracke" des Ostblocks, beschreibt. Dalos erzählt mit der ihm eigenen genauen Beobachtung über Dinge, die in Romanen deutscher Autoren bisher kaum angesprochen worden sind. So wie bei dem Ungarn jedenfalls sind Dissidenten, Wendehälse und clevere, ehemalige Parteifunktionäre noch nicht in den hiesigen literarischen Blick gekommen, nachdem sie in die neuen Welten aufgebrochen sind. Konsum umrauscht und weit entfernt von den früheren Losungen.

Das Kulturamt Weimar, die Musikhochschule und der Lese-Zeichen e.V. laden herzlich zu dieser Veranstaltung ein.

! Weimar, "Altenburg", Jenaer Straße 3, Lese-Konzert am 8. November, 16 Uhr