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31.01.2014

Rumänische Erkundungen in Greizer Bibliothek

von Antje-Gesine Marsch Vogtlandspiegel

Bibo-Chefin Corina Gutmann überreicht Marius Koity einen Band des Greizer Lyrikers Günter Ullmann.

Blick von außen

GREIZ. Ein Land zu verstehen, das deutlich von Klischees wie Dracula, Zigeunern, Balkan, Straßenkindern oder Geheimdiensten geprägt ist, macht sich schwer. Mit dem Band „Mehrfachbelichtungen. Rumänische Erkundungen“ leisten sowohl die zehn Autoren, als auch der Fotograf einen erheblichen Beitrag dazu, das Land Rumänien ein Stück weit begreiflicher zu machen. Die Bilder von Andreas Berner sind Teil eines Buchprojekts des Lesezeichen-Vereins, worin die Schreiber ihre jeweilige Sicht auf das Land zeigen. Vorausgegangen waren zwei Reisen, in denen sich die Beteiligten ihr ganz eigenes Bild von Rumänien machen konnten.
Am Donnerstagabend erlebten Interessierte in der Greizer Bibliothek nicht nur die Vernissage der Fotoausstellung „Mehrfachbelichtung“ von Andreas Berner. Statt musikalischer Umrahmung wurde Prosa und Lyrik geboten, vorgetragen von Nancy Hünger und Marius Koity.
Die junge Erfurter Autorin las „Es gibt eine Geschichte“- Birthälm ist ein unbewegtes Dorf, ein lang angehaltenes ‚Dort’; keiner wird es verändern. Zwischen den brachgeschundenen Weinterrassen schlummern die bunten Häuser“. Äußerst präzise vorgetragen, fast scheu wirkend, in interessanter Syntax stellt Nancy Hünger unvoreingenommen ihre Eindrücke dar, die sie beim Besuch des in Siebenbürgen liegenden Ortes, der 300 Jahre lang Bischofssitz war, empfand.
Marius Koity schildert in der Erzählung „Keine Romanhelden“, wie er in einst geheimen Akten Teile seines jugendlichen Lebens wiederfindet. Drei Securitate-Offiziere und drei Inoffizielle Mitarbeiter hatten ihn im „Verdacht auf verdächtige Gedichte“ jahrelang bespitzelt. „Ich war kein Dissident“ erklärte Koity dazu, „bin aber ins Visier eines Apparates geraten, dessen Umfang mir damals gar nicht bewusst war.“ Dass er doch kein „deutscher Nationalist“ war, ergaben die Spitzeleien der Offiziere. Lebendig, manchmal fast heiter, trug der Autor diesen Text vor; es folgten einige lyrische Arbeiten, wie „Mein Vater“, „An der Grenze“ und „Der Dichter und sein Wort.“
Der Bogen zur Fotoausstellung „Mehrfachbelichtung“ ließ sich gut spannen. Andreas Berner zeigt „andere Bilder“ von Rumänien, abseits des aktuell medialen Themas, das die sogenannte „Armutseinwanderung“ propagiert. Der Wurzbacher Künstler begründet sein Interesse nicht in der Gegenwart – er sucht nach Dingen, die nicht in der heutigen Zeitrechnung zu finden sind: alte Orgeln, verfallene Kirchenburgen, Dörfer, aber auch Menschen jeden Alters, die dem Betrachter authentisch entgegen schauen.

Service:

„Mehrfachbelichtung. Rumänische Erkundungen“.
Herausgegeben vom Lese-Zeichen e.V., 2011, Thüringen.
Fotos: Andreas Berner
Vorwort von Helge Pfannenschmidt.
Beiträge u.a. von Nancy Hünger, Marius Koity, Werner Söllner und Daniela Boltres, 132 Seiten
12 Euro (Versand 1,50 Euro).
Bestellung unter Telefon: (03641) 493900 oder E-Mail: info@lesezeichen-ev.de.
Antje-Gesine Marsch @31.01.2014