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04.02.2013

Ritterschlag für Blüthner-Flügel in Krölpa

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Sebastian Krumbiegel am imposanten Blüthner-Flügel in Krölpa. Der bekannte Musiker zeigte sich fasziniert von dem sanierten Instrument. Foto: Mario Keim

Sebastian Krumbiegel unterhält Besucher in der ausverkauften Pinsenberghalle und ist begeistert von dem InstrumentKrölpa.

Es war wie ein Ritterschlag für den Blüthner-Flügel in Krölpa, der im Oktober nach einer Sanierung seine feierliche Weihe erlebt hat: Vor 180 Besuchern in der ausverkauften Pinsenberghalle in Krölpa spielte am Freitag mit Sebastian Krumbiegel einer der derzeit bekanntesten deutschen Musiker auf dem Instrument. Der Sänger der Prinzen ist derzeit als Solist deutschlandweit zu erleben. Krölpa war die elfte Station seiner Tournee. Einen "Traum" nannte der Musiker das Instrument, das 1902 in seiner Heimatstadt Leipzig in einer damals weltberühmten Manufaktur erbaut worden ist. Bereits im Wohnzimmer seiner Eltern habe ein Blüthner-Flügel gestanden, auch in seinem heutigen Zuhause stehe ein solches Instrument. "Sie haben heute auf einem Flügel gespielt, der 110 Jahre darauf gewartet hat, um einmal von einem Landsmann gestreichelt zu werden", sagte der amtierende Bürgermeister SiegmarWeise (Freie Wähler) und verabschiedete den Gast mit einem Blumenstrauß und einem Präsent.Zu diesem Zeitpunkt lag hinter den Zuhörern ein dreistündiges Programm, in dem Krumbiegeleine andere musikalische Seite offenbarte. Der Wechsel zwischen Musik und Erzählweise, in der sich ernste Geschichten und heitere Anekdoten aneinander reihten, zeichnete das Bild einer interessanten Persönlichkeit, wie sie auf Konzerten der Prinzen so kaum zu erleben ist. Seine klaren Worte über Naziterrorismus und gegen Ausländerfeindlichkeit waren auch an diesem Abend deutlich. Erst am 3. Dezember überreichte ihm Bundespräsident Joachim Gauck für sein breites Engagement für Toleranz das Bundesverdienstkreuz. Der Geehrte erwähnte dies am Freitag aber nicht.

Ob viele Fans der bekannten Band zu seinen Solokonzerten kämen, könne er nicht genau sagen. "Es gibt sicherlich eine Schnittmenge, jedoch spiele ich nicht ausdrücklich für eine bestimmte Zielgruppe", sagte der sympathische Künstler im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zwei Lieder der Prinzen gab es dennoch zu hören. "Ich will zurück ins Paradies" und "Kein Liebeslied" aus dem Erfolgsalbum "Alles nur geklaut" aus dem Jahr 1993. Vor allem aber überzeugte Krumbiegel mit eigenen Stücken aus drei Soloalben, eines davon aufgenommen mit der Berliner Band "Die Feinen Herren". Das Album "Solo am Piano" ist 2012 erschienen.Die Interpretation fremder Kompositionen glich einem Ausflug in die deutsche Musikgeschichte. Ob "Irgendwo auf der Welt" von den Comedian Harmonists aus dem Jahr 1932 oder Stücke von Rio Reiser, Udo Lindenberg und der Leipziger Rockband respektvoll trug sie der Sänger vor und stellte in einfühlsamen Worten seinen persönlichen Zugang zum jeweiligen Werk her. "Er hat den roten Teppich für die deutsche Popmusik ausgerollt", zollte er seinem langjährigen Wegbegleiter Lindenberg Respekt.

Sebastian Krumbiegel beeindruckte aber nicht nur der Flügel in Krölpa. "Die Halle hier ist der Hammer, obwohl sie doch eine Turnhalle ist. Aber das sieht man ihr gar nicht an", sagte der ehemalige Sakralsänger des Leipziger Thomanerchores, der sich vor allem beim Verein Lese-Zeichen e.V. bedankte. "Ich finde es toll, wie sie sich auf dieser Basis für die Förderung von Kunst und Kultur einsetzen." Der Verein hatte gemeinsam mit der Gemeinde Krölpa das Konzert veranstaltet. Es war nicht nur ein glänzender Jahresauftakt, sondern zugleich die erste Veranstaltung auf Grundlage eines neu abgeschlossenen Kooperationsvertrages. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesem Verein gemacht, insbesondere durch die Kinderliteraturtage", sagte Siegmar Weise. Auf dieser Grundlage soll es zukünftig etwa sechs bis sieben Veranstaltungen im Jahr als Ergänzung des Angebotes auf der nahen Raniser Burg geben.