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16.06.2011

Rinderzüchter und ARD-Moderator Dieter Moor in Ranis

von Ulrike Merkel Ostthüringer Zeitung

Beruflich beschäftigt sich Dieter Moor (52) mit Kultur, privat steht er am liebsten auf dem Acker seines Oeko-Hofes im brandenburgischen Hirschfelde. In in der Fernsehreihe "Bauer sucht.Kultur" konnte er diese beiden Pole verbinden. Foto: rbb/Kobalt Productions

Dieter Moor, Moderator des ARD-Magazins Titel, Thesen, Temperamente, liest am Sonnabend, 20.30 Uhr, bei den Thüringer Literaturtagen im Raniser Burghof. Dabei stellt der Schweizer sein überaus erfolgreiches Buch Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht Geschichten aus der arschlochfreien Zone vor.

Herr Moor, durch das Auftreten von Ehec ist auch die Bio-Landwirtschaft ins Gerede geraten. Haben Sie in Ihrem Öko-Betrieb die Auswirkungen gespürt? Nein. Wir machen ja kein Gemüse. Wir sind quasi die "bösen" Rinderhalter. Und da habe ich ein recht gutes Gewissen, weil die Ehec-Fälle ausschließlich in der Hochleistungslandwirtschaft auftreten. Die Rinder fressen seit Jahrtausenden Gras. Um dieses Gras aufzuspalten, brauchen sie verschiedene Coli-Bakterien. Dann aber haben die Menschen Hochleistungskühe gezüchtet, die sie nun mit artfremden Dingen füttern, etwa Soja und Getreide. Seither haben die Kühe einen wesentlich höheren Säuregehalt im Magen. Und Bakterien wiederum haben ja die Eigenschaft, sich schnell anpassen zu können an lebensfeindliche Bedingungen, also durch Mutation neue Stämme hervorbringen zu können, wie den jetzigen säure-resistenteren Ehec-Stamm.

Was verfüttern Sie denn? Unsere hundert Rinder fressen Heu und Gras.

Da haben Sie seit dem Erscheinen Ihres Buches aber viele Rinder dazu gewonnen. Das Buch betrifft ja nur unsere ersten zwei Jahre auf dem Hof. Da hatten wir gerade mal die ersten Schäfchen auf der Weide.

Was macht das Fleckchen Brandenburg, auf dem Sie leben, zur arschlochfreien Zone? Die Menschen. Ich habe mich geärgert über das Image, das die so genannten Ossis haben. Ich habe hier ganz andere Menschen angetroffen. Menschen, die über die preußischen Qualitäten verfügen, sprich Zuverlässigkeit, Fleiß, einen gewissen Pragmatismus und Tatkraft, die eben nicht jammern, sondern anpacken. Diese Eigenschaften sind durch das bisschen DDR nicht verloren gegangen.

Trägt sich Ihr Ökohof inzwischen? Leider noch nicht. Wir haben da in guter alter sozialistischer Tradition einen Zwei-Mal-Vier-, also einen Acht-Jahresplan erstellt. Der ging aber noch von Schafhaltung aus. Dann bekamen wir aber die Möglichkeit, Galloway-Rinder und Wasserbüffel zu halten und damit in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden Umlandflächen zu pflegen und Sumpfgebiete wieder artenvielfältiger werden zu lassen. Pflanzen konkurrieren untereinander. Die Rinder wiederum verhindern, dass sich eine Pflanzenart übermäßig ausbreitet und die anderen Arten erdrückt.

Wie kann man sich Ihr Leben zwischen Medienwelt und Rinderzucht vorstellen? Wann stehen Sie zum Beispiel auf? Normalerweise stehen wir um 6 Uhr auf. Das ist in der Landwirtschaft eigentlich nicht früh. Die Milchbauern müssen um 4 Uhr raus. Mein Leben ist allerdings gegenwärtig nicht sonderlich landwirtschaftlich geprägt. Meine Frau ist die Bäuerin. Ich versuche, das Geld außerhalb zu verdienen, das den Hof nach vorn bringt.

Laut Zeitungsberichten haben Sie Streit mit den Ansässigen im Dorf?

Mit einigen Zugezogenen. Da haben sich einfach acht Leutchen zusammengefunden, die dagegen sind.

So klein ist der Kreis? Das Klang in der Presse anders. Ja, es hieß zuerst "viele Landbewohner". Das ist Quatsch.

Es heißt, sie seien genervt von Ihrer angeblichen Profilierungssucht und von den Touristen, die Sie ins Dorf locken. Und sie glauben, Sie wollen dem Dorf Ihre Öko-Modelldorf-Idee aufzwingen. Ich habe meinen Lebtag noch keinen Journalisten angerufen, er möge doch bitte, bitte über mich schreiben. Und: Man kann einem Brandenburger nichts aufzwingen! Der hat seinen eigenen Kopf, keine Angst!

Die Alteingesessenen sind demnach mit Ihrer Modelldorf-Idee einverstanden? Es ist ein Angebot. Wir haben einfach überlegt, wie man die Landflucht umkehren könnte. Indem man Arbeitsplätze vor Ort schafft, ein positives Umfeld für junge Selbstständige. Die Idee des Modelldorfs ist, dass man die Werte, die man selbst schafft, auch selbst ausschöpft. Zum Beispiel, dass man Fleisch nicht zum 400 Kilometer entfernten Großlieferanten schickt, sondern regional eine Fleisch-Veredelung aufbaut. Das kann man tun, muss es aber nicht.

Was passiert, wenn der Achtjahresplan nicht aufgeht? Dann wird er verlängert. Es ist bereits ein Zehnjahresplan daraus geworden.