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09.11.2013

Revolutionäreres Publikum beim Lyrikabend in Gera gewünscht

von Rlke Lier Osttthüringer Zeitung

Akteure des musikalischen Lyrikabends (von links): der Cellist Matthias von Hintzenstern und die Lyriker Annerose Kirchner, Hubert Schirneck und Monika Rinck. Foto: Elke Lier

Ein wunderbarer Lyrikabend "Gunst des Augenblicks" fand vor wenig Zuhörern im Ausweichquartier KuK statt.

Gera. Vor dem Kultur- und Kongresszentrum stand Mittwoch Abend Bibliotheksmitarbeiterin Silke Hammer und leitete Besucher der Lyriklesung "Die Gunst des Augenblicks" um in ein KuK-Konferenzzimmer.

Der Veranstaltungsort Bibliothek war der eintägigen Schließaktion aller Geraer Kulturstätten geopfert. So erwartete Martin Straub vom Thüringer Lesezeichenverein im grell erleuchteten nüchternen Ambiente mit weißgedecktem Vortragstisch, "dass jederzeit ein Servierwagen mit Essen hereinrollt". Der blieb aus, dafür war die geistige Kost umso feiner.

Cellist Matthias von Hintzen- stern von Theater und Philharmonie Thüringen, die Lyriker Monika Rinck aus Berlin, Hubert Tschirneck aus Weimar, geboren in Gera, und Annerose Kirchner, Wahl-Geraerin aus Zella-Mehlis, lasen aus älteren und ganz aktuellen Werken.

So stellte Monika Rinck aus ihren "Honigprotokollen" Prosagedichte voller Zartheit ebenso vor wie spöttisch aufs Korn genommene Lebenssituationen einer "Thai-Massage" oder nachdenklich machende Gedanken zur Labilität unseres Lebens. Hubert Schirneck gedachte mit einem Gedicht des jüngst verstorbenen Schriftstellers Erich Loest, dessen Leben unglücklich endete. Er zeigte auch, wie verknappend Lyrik Befindlichkeiten auf den Punkt bringt: "Plötzlich öffnete sich der Mensch am Tisch und zog eine Lärmschutzwand heraus." Die Geraer Schriftstellerin und Lyrikerin Annerose Kircher bekannte sich zu ihrer Hassliebe zu Gera, die sich jedoch in wachsender Liebe an Schönem wie dem Zaufensgraben festmache, dem sie ganz frische Zeilen widmete. Das sich anschließende lyrische Spiel, wo ein Autor den geistigen Faden des anderen fortführte, hielt den Geist der Zuhörer wach, fernab jedes zurückgelehnten Kultur-Konsums. Erstaunliche Zwischenspiele auf seinem Zauber-Cello gab Matthias von Hitzenstern. Als öffentliches Bekenntnis zu ihrer Bibliothek, die den Abend noch möglich machte, hätte sich Sigrun Lüdde, Geschäftsführerin der Literarischen Gesellschaft Thüringen