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16.08.2002

Renaissance des Märchens

von Romy Held Ostthüringer Zeitung

Ranis. Seit acht Jahren finden die Thüringer Märchen- und Sagentage, die heute auf der Burg Ranis eröffnet werden (OTZ berichtete), statt, aber erst seit zwei Jahren finden sie ganz besonderen Anklang bei den Leuten, informierte Dr .Martin Straub, Geschäftsführer des Lesezeichen e.V., Organisator der Märchentage. "Es sind keine Nostalgiegründe, die das Märchenerzählen wieder so beliebt machen, vielmehr ist es unsere schnelllebige Zeit, der Verlust zwischenmenschlicher Werte, der die Menschen Zuflucht und Halt in Märchen suchen und finden lässt'' , so Martin Straub. Die Leute wenden das Märchen, welches die Grundkategorien von gut und böse vermittelt, auch auf heutige Zeitfragen und Werte an, ist sich Straub sicher. "Die uralten und doch immer wieder neuen Geschichten im Märchen sind emotional sehr breit gefächert und regen zum Nachdenken an" , sagt er . Und noch ein Punkt ist wichtig beim Märcherzählen : Es führt die Generationen zusammen. Das weiß auch der Erfurter Märchenerzähler Andreas vom Rothenbarth, der heute um 19 Uhr auf der Burg Ranis zur Märchenstunde am Lagerfeuer einlädt, nur zu gut. "Märchen verstehen Kinder und Erwachsene ganz unterschiedlich, aber beide geniessen die Situation des Erzählens gleichermaßen'' , sagt er. Die "unmittelbare Kommunikation, der Kontakt zum Erzähler" sei dabei ganz wichtig. "Wir müssen wieder lernen zuzuhören. Das Märchen sollte eine zentrale Basis der Entwicklung sein" , so Andreas vom Rothenbarth. Durch Gespräche mit seinen Zuhörern erfuhr er, dass sich gerade die Erwachsenen ihre eigenen Geschichten aus den alten Volksweisen ziehen. In den Märchen werden klare Wertebilder, nämlich die Bestrafung des Bösen und der Sieg des Guten, vermittelt, die in der heutigen Zeit oft vermisst würden, ist seine Erfahrung. ?Durch das Märchen kommt ganz unaufdringlich etwas Geschichtliches und Weltverständiges heraus, womit man sich Gedanken über die Welt und die Umwelt machen kann" , betont Martin Straub die Wichtigkeit der alten Weisen. Und für die Kinder sei es am schönsten, ganz nah beim Märchenerzähler zu sitzen und zuzuhören. 17.8.2002