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12.04.2007

Reiner Kunze vor 30 Jahren vertrieben

von dpa Ostthüringer Zeitung

Greiz würdigt Lyriker am Freitag

Greiz (OTZ). Exakt 30 Jahre nach Reiner Kunzes Ausreise aus der DDR will die Stadt Greiz am Freitag, dem 13. April, mit einer Veranstaltung "Gegen das Vergessen" den renommierten und von der SED diffamierten Lyriker ehren.
Neben der Familie Kunze werden auch der ehemalige Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen, Joachim Gauck, und der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner der Würdingung um 20 Uhr im "Weißen Saal" des Unteren Schlosses beiwohnen.

Reiner Kunze wurde 1933 in Oelsnitz im Erzgebirge geboren. Der Bergarbeitersohn studierte in Leipzig Publizistik und Journalistik. Zunächst orientierte sich Kunze am sozialistischen Realismus, begann sich aber immer mehr von den SED-Vorstellungen zu distanzieren. Schon in den fünfziger Jahren wurde er beschuldigt, Studenten zu entpolitisieren, musste die Universität verlassen, nahm Hilfsarbeiterjobs an. Von 1961 bis 1962 lebte er in der Tschechoslowakei, erlernte die tschechische Sprache, erste Übersetzungen ins Deutsche folgten. Er lernte seine Frau, die Ärztin Elisabeth Littnerov kennen, die er 1961 heiratete.

1962 zog er voller Zuversicht ins thüringische Greiz. Für Kunze wurde es zunehmend schwieriger, seine Werke zu publizieren. Reiner Kunze solidarisierte sich mit den Reformern in der CSSR zur Zeit des "Prager Frühlings".

Die DDR hatte durch Wolf Biermanns Ausbürgerung im November 1976 ihre kritischen Intellektuellen herausgefordert und zu Solidaritätsbekundungen animiert. Im selben Jahr kam auch der Fall Kunze zur "Lösung". Mit dem Erscheinen des Buches "Die wunderbaren Jahre" machte man ihn zum Staatsfeind.

Am 13. April 1977 verließen Elisabeth und Reiner Kunze mit wenigen Koffern die DDR. Aufgrund von Diffamierungen, Rufmord, staatlichen Repressalien, körperlich und seelisch am Ende, stellte Kunze am 7. April 1977 einen Antrag auf Ausreise.

Am 10. Juni 1995 hat die Stadt Greiz Reiner Kunze die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Reservierungen sind bei der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz möglich, Telefon (03661) 70 34 26.