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24.09.2015

Reihe „Romantischer Realismus“ wird im Romantikerhaus Jena fortgesetzt

von Lioba Knipping TLZ

Eine Art „Literarisches Quartett“: (von links) Ulf Häder, Leiter Städtische Museen Jena, Klaus Schwarz, Leiter Romantikerhaus Jena, Matias Mieth, Moderator der Veranstaltung, und Martin Straub vom Lesezeichen e.V. Foto: L. Knipping

Autoren, Bildende Künstler und Menschen, die sich von Berufs wegen mit Kunst beschäftigen, treffen sich dort zu einem „literarisch-künstlerischen Quartett“: um zum einen einem Bild zu huldigen, das vor mehr als 200 Jahren entstanden ist.

Jena. Man könnte fast annehmen, an diesem Samstag käme im Romantikerhaus eine Art „Literarisches Quartett“ zusammen. Doch es ist mehr als das: Autoren, Bildende Künstler und Menschen, die sich von Berufs wegen mit Kunst beschäftigen, treffen sich dort zu einem „literarisch-künstlerischen Quartett: um zum einen einem Bild zu huldigen, das vor mehr als 200 Jahren entstanden ist. Und zum anderen, um auch Literatur zu würdigen – die Literatur des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.

Und damit das Ganze auch etwas Profanes bekommt: Es wird über Kunstwerke gesprochen und ihren heutigen monetären Wert auf dem Markt. Lässt sich wahre Kunst kaufen? Kann man wirkliche Kunst bezahlen? Lassen sich Künstler gar prostituieren? Mitnichten!, denken Sie vielleicht jetzt. Aber klar!, denken andere.

Es wird also eine muntere und zugleich spannende Veranstaltung, die an diesem Samstagnachmittag, ab 15 Uhr im Romantikerhaus Jena über die Bühne geht. Der Titel lautet: „Kunst zwischen Markt und Ideal“. Es diskutieren: Verena Krieger, Professorin für Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Schriftstellerin Nancy Hünger, Erik Stephan, Kurator der Kunstsammlung, Städtische Museen Jena, und der Weimarer Bildhauer, Maler und Grafiker Walter Sachs. Und die Gäste der Veranstaltung dürfen kräftig mitmischen, ihre eigenen Erfahrungen mit Kunst und Literatur einbringen, Fragen stellen. Der ehemalige Direktor der Städtischen Museen Jena, Matias Mieth, wird die Veranstaltung moderieren.

Konkret geht es um Casper David Friedrichs Bild „Der Mönch am Meer“, auch „Wanderer am Gestade des Meeres“ genannt, das zwischen 1808 und 1810 entstanden ist und damit in der Zeit, in der die Frühromantik in Jena ihre Hoch-Zeit erfuhr.

Das Bild wirkt mystisch, ja fast düster und geheimnisvoll und ist damit typisch für die Romantik, die Caspar David Friedrich maßgeblich beeinflusste und zu deren bedeutendsten Künstlern er zählt. Sein Werk ist gekennzeichnet von der Symbolik und der Schwermut der Romantik.

Kunsthistoriker aber haben herausgefunden, dass seine Motive zwar zunächst wirklichkeitsgetreu erscheinen, in Wahrheit jedoch akribisch konstruiert wurden. Friedrich überarbeitete seine Bilder häufig; er legte viel Wert auf Genauigkeit, ergänzte Elemente oder vertiefte die Motive weitergehend, weshalb Matias Mieth bei dem Bild sogar von einem „Urbild der Moderne“ spricht. Und Goethe soll über Caspar David Friedrichs Bilder sogar gesagt, man könne sie auch auf den Kopf stellen. „Moderne Kunst öffnet Bedeutungsräume, und Bilder sind eben nicht so leicht zensierbar“, sagt Matias Mieth.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Verena Krieger zunächst – präzise und unterhaltsam, wie Mieth versichert – etwas zum „Mönch am Meer“ sagen. Danach wird ein Text vorgestellt, den Clemens Brentano und Achim von Arnim 1810 schrieben unter dem Titel „Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, worauf ein Kapuziner“. Der Text knüpft an die „Gemälde-Gespräche der Brüder Schlegel an und verdeutlicht – gerade auch in der Bearbeitung von Heinrich von Kleist – Umbrüche in der Geschichte der Wahrnehmung wie der Erkenntnis. Es sind die Künste, die diese Umbrüche sichtbar machen. Aber können diese Künste, die heute unter den teils erschwerten Bedingungen des Marktes existieren müssen, auch heute noch Organ gesellschaftlicher Selbsterkenntnis sein?

Um genau diese Fragestellungen wird es gehen. Realismus pur! Deshalb sollte man sich nicht vom Text einlullen lassen: „Es ist herrlich, in unendlicher Einsamkeit am Meeresufer unter trübem Himmel auf eine unbegrenzte Wasserwüste hinzuschauen, und dazu gehört, daß man dahin gegangen, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt, und seine Stimme doch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, in dem einsamen Geschrei der Vögel vernimmt...“

Umrahmt wird die Veranstaltung musikalisch von Friedrun Vollmer (Violine) und Helene Roth (Klavier). l Samstag, 26. September, ab 15 Uhr im Romantikerhaus Jena.