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15.01.2013

Rechter Terror, Punks und Diktatur-Erfahrung

von Frank Quilitzsch TLZ

Die Landeszentrale für politische Bildung lädt auch 2013 wieder in ganz Thüringen zu Lesungen ein. In der Reihe "Das politische Buch im Gespräch" ist das Spektrum weit gefächert - von Geschichtsaufarbeitung bis zu brandaktuellen Reportagen.

Erfurt. Trotz des Auffliegens der NSU-Terrorzelle werde die Gefahr unterschätzt: Die ex­treme Rechte in Deutschland habe sich in den letzten Jahren zugleich radikalisiert und verbürgerlicht. Zu diesem Ergebnis gelangen Toralf Staud und Johannes Radke in ihrem Buch "Neue Nazis. Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts", das Mittwoch in Arnstadt und Donnerstag in Kahla vorgestellt wird. Das Autorenpaar eröffnet die diesjährige Reihe "Das politische Buch im Gespräch" der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.

Weitere Brennpunkt-Themen sind im ersten Halbjahr 2013 Syrien, China, die neue Armut in Deutschland, die schwindenden Unterschiede zwischen Ost und West sowie die Facebook-Generation aus der Sicht der Eltern. Darüber hinaus fördert der Veranstalter weiter die Auseinandersetzung mit den beiden deutschen Diktaturen und dem Stalinismus. Erschütternde Biografien von Andreas Petersen und Sergej Lochthofen , die an deutsche Schicksale im Gulag erinnern, werden flankiert von Jörg Baberowskis Stalin-Buch "Verbrannte Erde" und Wolfgang Benz Geschichtsstudie "Das Jahr 1933".

Besonders an Jugendliche wenden sich die von Frank Willmann herausgegebenen Erinnerungen an die Punk-Generation in der DDR. Unter dem Titel "Leck mich am Leben - Punk im Osten" vermitteln Autoren wie Andreas Gläser, Bert-Papenfuß-Gorek und der Herausgeber selbst ein lebendiges Bild von der alternativen Kultur. Miriam Gebhardt geht in "Alice im Niemandsland" der Frage nach "Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor" - und sich heute fast nur noch in einer manifestiert: Alice Schwarzer -, während Martina Rellin selbstbewusst bekennt: "Klar bin ich eine Ost-Frau".

Über den Tellerrand hinaus schauen Landolf Scherzer mit seiner aktuellen China-Reportage oder Cornelia Klauß und Frank Böttcher, die von ihren illegalen Reisen durch das einstige Sowjetreich erzählen. Die Lesungen finden in ganz Thüringen in Kulturhäusern, Schulen, Bibliotheken und Begegnungsorten statt. Gemäß dem Selbstverständnis der Landeszentrale repräsentieren die eingeladenen Autoren unterschiedliche politische Positionen. Als Romanschriftstellerinnen sind Jenny Erpenbeck und Marion Brasch mit neuen Büchern vertreten.

www.lzt.thueringen.de