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26.01.2007

Real existierende USA, gefühlte DDR

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Geheimtipp Joochen Laabs liest auf Burg Ranis

Von Marius Koity "Ich bin der Bottich,/ du drin der Hering.// Und das Salz zwischen uns/ ist die Liebe,/ die uns haltbar macht/ - und zerfrißt." Dieses Liebesgedicht von Joochen Laabs habe ich vor 20 Jahren kennengelernt und seitdem gehört es zu den Texten, die ich brauche. Laabs kann sich vielleicht gar nicht mehr an diese Zeilen aus seinem 1970 erschienenen Erstling "Eine Straßenbahn für Nofretete" erinnern. Schließlich hat der 1937 in Dresden geborene Lyriker und Erzähler zahlreiche Bücher veröffentlicht. Mir aber zeigen die Bilder des Gedichtes immer wieder aufs Neue, wie erklärbar vermeintlich Unerklärliches ist, wie schön scheinbar Raues sein kann.
In diesem frühen Gedicht wandelt Laabs genauso zwischen den Welten wie in seinem Roman "Späte Reise", der 2006 bei Steidl erschienen ist. Laabs ergründet die real existierende USA, wohin ihn vor und nach der Wende Gastprofessuren führten, und beobachtet die DDR, die nur noch im Gedächtnis lebt. Zwischen diesen Welten reist ein Straßenbahnfahrer, was kein Zufall ist. Laabs lenkte selbst Straßenbahnen, bevor er Ingenieur und Schriftsteller wurde. Die Reise beansprucht Aufmerksamkeit, nicht nur weil sie 600 Seiten lang ist. Schon der Weg ist hier ein Ziel. Mit einer gewissen Heiterkeit, aber durchaus schonungslos regt das teilbiografische Werk zum Nachdenken über die deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an, was "Späte Reise" für den Uwe-Johnson-Preis 2006 empfahl.

Trotzdem ist Laabs auch belesenen Leuten kaum ein Begriff. Der 69-Jährige ist ein Geheimtipp, den der Lese-Zeichen e. V. aufgreift: Laabs liest am 1. Februar um 19.30 Uhr auf Burg Ranis aus seinem preisgekrönten Buch.