Presse - Details

 
02.08.2010

Rap krönt das Lesekonzert

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Fünf ereignisreiche Tage liegen hinter den Teilnehmern der elften Sommerwerkstatt Sehen-Malen-Schreiben auf Burg Ranis. An dem Treffen, das gemeinsam vom Lese-Zeichen e.V. und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten initiiert worden ist, nahmen von Mittwoch bis gestern 16 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 27 Jahren teil. Sie kamen aus ganz Deutschland, aber auch Hobbykünstler aus Ranis, Pößneck und Tegau im Saale-Orla-Kreis waren wieder dabei.
„Ich habe zum ersten Mal in einem Gottesdienst der Jungen Gemeinde den Rap ausprobiert und Spaß daran gefunden. Das ist eine gute Form, etwas in Texten auszudrücken. Es hat dazu geführt, dass ich inzwischen auch andere Texte selbst schreibe. An der Sommerwerkstatt nahm ich das erste Mal teil“, sagte der 19-jährige Raniser Hannes Buschold am Samstag nach einem unterhaltsamen Lesekonzert. Sein Stück trug keinen Titel.
Der angehende Student für Materialwissenschaften in Jena war, gemessen am Beifall der Teilnehmer und Besucher am Samstag, der heimliche Star eines unterhaltsamen Werkstattabschlusses. Die Bandbreite der vorgetragenen Stücke reichte von Aphorismen bis hin zum Ein-Mann-Theaterstück, dargeboten von Pit Nötzold aus Sömmerda. Christian Wöllecke, 26-jähriger Literaturstudent aus Berlin, widmete sich in einem Text dem Massenphänomen Public Viewing. Die Idee sei ihm während eines Studienaufenthaltes während der Fußball-WM im Juni in der Schweiz gekommen. Kati Fränzel (26) aus Stuttgart und Patrick Siebert (25) aus Erfurt moderierten den Samstagabend, den Nancy Schlegel (22) aus Pößneck musikalisch stimmungsvoll einleitete und auch abschloss.
„Die Teilnahme an der Sommerwerkstatt ist der erste Schritt, vom eigenen Schreibtisch an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Kursleiter Helge Pfannenschmidt, der den jungen Künstlern „einen guten Jahrgang“ bescheinigte. Im gemeinsamen Austausch lernen sie den offenen Umgang mit Kritik und probieren sich mit Gleichgesinnten  aus. Wieder trafen sich in Ranis Neulinge mit Teilnehmern, die hier schon mehrmals zu Gast waren, darunter Kati Fräntzel. „Ich war schon zehn Mal in Ranis dabei und komme gern wieder, wenn ich darf“, sagte die Buchhändlerin mit einem Schmunzeln.
„Für mich war die Arbeit in Ranis eine interessante Erfahrung. Ich möchte gerne wieder hierher kommen“, bescheinigte der Holzbildhauer Gernot Ehrsam aus Erfurt bei seiner Premiere den kreativen jungen Menschen einen guten Sinn beim Umgang mit Kunst in verschiedenen Formen. Alle Nachwuchsautoren brachten zugleich Stimmungen auf Papier zum Ausdruck, während sich Pit Nötzold und Anna-Marie Manger aus Tegau ganz für den Kurs Malerei bei Gernot Ehrsam entschieden. Alle anderen Teilnehmer wählten die Literatur als Kunstform.
„Ich kenne die Arbeit in mehreren Werkstätten. Aber Ranis ist immer etwas Besonderes. Mir gefällt vor allem der Umgang der Teilnehmer untereinander in der Gruppe. Das muss wohl der Geist des Ortes sein“, freute sich die Lyrikerin und Kursleiterin Daniela Danz.