Presse - Details

 
18.02.2011

Raniser liefern ihrem Stadtschreiber reichlich Stoff

von Marius Koity Ostthüringer Zeitung

Ranis-Stadtschreiber Wehwalt Koslovsky öffnet einen Antwortbrief auf seine 50 Fragen. Aus den Briefen wird er nun einen Ranis-Text schmieden. Foto: Marius Koity

Das Ranis-Buch von Stadtschreiber Wehwalt Koslovsky ist gerettet. 44 Antwortschreiben und Anfang dieser Woche auch zwei Mails hat er auf seine 50 Fragen bekommen, die Ende Januar in der Burgstadt verteilt wurden.

Ranis. Es gibt ein paar sehr zitierfähige Sätze, die zum Herzstück eines Stücks Literatur taugen, sagte der Autor am Mittwochabend gegen Ende des mehr als zweistündigen Stadtschreibergespräches im Gasthaus Zur Schmiede. Dort hatte Koslovsky zu einer ersten Auswertung der nicht nur anonymen Antworten im verhältnismäßig großen Kreis der etwa 25 Gäste eingeladen. Einige Raniser haben sich die Mühe gemacht und alles beantwortet. Andere Teilnehmer an der Umfrage haben sich nur bestimmte Fragen ausgesucht und trotzdem mitunter mehrere Seiten mit der Hand vollgeschrieben. Mancher hat richtig sein Herz geöffnet und mitunter poetische Antworten zu Papier gebracht. Andere Burgstädter nutzten die Gelegenheit, um Dampf abzulassen. Mit ah und oh, aber auch mit Lachen oder Gelächter reagierten Koslovskys Gäste auf die eine oder andere verlesene Antwort. Zu beobachten war zustimmendes Nicken, zu hören waren Bemerkungen wie: Meine Güte, da wird man ja depressiv. Eine Gesprächsteilnehmerin, die eine so offene Auswertung der Antworten nicht erwartet hatte, machte Häme in den Reaktionen des Publikums aus und fand das nicht so toll. Die Mehrheit in der Kneipe hingegen fand alles nicht so schlimm und Koslovsky waren die Reaktionen für sein Ranis-Buch wichtig. In diesem werden vielleicht die Mauser-Raniser und das Schmiedefeuer und der Fakt eine Rolle spielen, dass den Einheimischen eine Kaufhalle fehlt, was ein Mosaikstein des Untergangs der Lebenskultur in Ranis darstelle, so eine Stellungnahme. Die Burgstädter bedauern, dass es auf der Burg nicht mal mehr ein Café gibt, geschweige denn die Burgfeste. Die sollten nicht wie zu DDR-Zeiten mit Ochs, sondern mit Wisent am Spieß wieder gefeiert werden, hieß es in einer von mehreren Antworten, die ein gespaltenes Verhältnis zum Wisentgehege offenbarten. Die Raniser bedauern, dass ehemals blühende Gärten verwahrlosen, weil deren Besitzer keine Zeit mehr für die Kleingärtnerei haben, und sie wünschen sich einen zweiten Fußballplatz für den TSV 1860, aber auch ein Freibad. In den Häusern unterhalb der Burg glaubt mancher an das Gute im Menschen, aber auch daran, dass Stillstand der Ist-Zustand in Ranis sei. Einheimische hoffen, dass die Stadt mal im Lotto gewinnt, und träumen nachts beispielsweise von Schulden, die sie wegen des Beitrags nach der Sanierung der August-Bebel-Straße haben. Heimat verbinden sie mit dem Glockengeläut der Stadtkirche und dem Glauben, dass die Burg gestohlen sei, wenn sie mal von Nebel umhüllt ist, aber auch mit den kaputten Straßen. Dann sollten wir sie mal nicht sanieren, nahm Bürgermeister Andreas Gliesing den Scherz auf.