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08.10.2012

Ranis: Reichlich Zeit für Austausch mit Literatur

von Mario Keim Ostthüringer Zeitung

Die Teilnehmerinnen der Literarischen Werkstatt in Ranis mit ihren Leiterinnen Nancy Hünger (links) und Bärbel Klässner (5. v. rechts). Ausreichend Zeit für literarische Texte hatten sich am Wochenende Frauen aus Thüringen und Bayern genommen, die sich auf der Kunst- und Literaturburg in Ranis getroffen hatten. Die Literarische Werkstatt führte zehn Teilnehmerinnen auf die Burg und ins benachbarte Ludwighof, wo die Frauen von Freitag bis gestern im Gästehaus "Papilio" übernachteten. Beim Treffen wurden nicht nur gemeinsam Gedichte besprochen, sondern auch Erzählungen, Romanauszüge und autobiographische Texte.

 

 

Schreibwerkstatt für Frauen soll nach ihrer Premiere am Wochenende auf Burg Ranis eine Fortsetzung finden. Aus Thüringen und Bayern sind die zehn Teilnehmerinnen angereist.

 

Ranis. Ausreichend Zeit für literarische Texte hatten sich am Wochenende Frauen aus Thüringen und Bayern genommen, die sich auf der Kunst- und Literaturburg in Ranis getroffen hatten. Die Literarische Werkstatt führte zehn Teilnehmerinnen auf die Burg und ins benachbarte Ludwigshof, wo sie von Freitag bis gestern im Gästehaus "Papilio" übernachteten. Beim Treffen wurden nicht nur gemeinsam Gedichte besprochen, sondern auch Erzählungen, Romanauszüge und autobiographische Texte. Die Zahl der Teilnehmer war, wie bei solchen Seminaren üblich, begrenzt. Deshalb gab es eine Warteliste für mögliche weitere Interessenten. "Üblich sind Werkstattgespräche für die Dauer eines Tages, sodass wir intensiv an den Texten arbeiten konnten", sagte Bärbel Klässner, die die Werkstatt gemeinsam mit Nancy Hünger leitete. Die Schriftstellerinnen sind den Besuchern der Literaturtage in Ranis durch Lesungen bekannt. Beide Frauen eint, dass sie sich mit Lyrik und mit Prosa beschäftigen. Diese Gemeinsamkeiten und die Erfahrung im Umgang mit anderen Autoren führten Bärbel Klässner aus Essen und ihre Erfurter Kollegin Nancy Hünger im Juni 2011 zur Literarischen Werkstatt im Frauenzentrum Weimar zusammen. Von dieser Einrichtung in Weimar und der 2010 verstorbenen Schriftstellerin und Übersetzerin Gisela Kraft, die in der Klassikerstadt lebte, war die Werkstatt vor einigen Jahren ins Leben gerufen worden. Erstmals fand sie am Wochenende in Ranis statt. Hier reiht sie sich in den Veranstaltungsreigen mit monatlichen Lesungen, Autorentagen und der Sommerwerkstatt für junge Menschen ein.

"Wir gehen davon aus, dass wir die Werkstatt im nächsten Jahr an diesem Ort wiederholen", sagte Nancy Hünger. Die 31-Jährige hatte einige Teilnehmerinnen, die sie bereits aus anderen Schreibwerkstätten kannte, nach Ranis locken können. Andere folgten der gemeinsamen Ausschreibung von Literarischer Gesellschaft Thüringen e.V. und Lese-Zeichen e.V. Beide Vereine hatten die Textwerkstatt zusammen organisiert. Für ihre Arbeit stand den Frauen ein Zimmer auf der Burg zur Verfügung. "Es ist ein traumhafter Ort für eine solche Werkstatt", weiß Nancy Hünger, die regelmäßig in verschiedenen Orten Thüringens Workshops leitet und Veranstaltungen moderiert. "Am liebsten hätte ich gleich auf der Burg übernachtet. Das Ambiente ist wunderbar, der Zeitpunkt ist auch gut gewählt", sagte Hanne Mausfeld aus Eckental (Landkreis Erlangen-Höchstadt). Der Führungskraft aus der Industrie, die seit vielen Jahren in der Freizeit Gedichte schreibt und in ihrer Heimat selbst Schreibgruppen betreut, gefiel die kompetente Betreuung: "Jede der beiden Schriftstellerinnen hat ihren eigenen Blickwinkel", genoss Hanna Mausfeld. Für Sandra Eberwein, ebenfalls aus Eckental, sei durchaus eine Portion Mut erforderlich, um sich auf eine solche Werkstatt einzulassen. "Man muss sich trauen, wenn es darum geht, dass eigene Texte kritisch begutachtet werden. Und man muss lernen, mit den Ergebnissen umzugehen." Nancy Hünger würde es begrüßen, wenn analog der Sommerwerkstatt auf Burg Ranis beim nächsten Mal auch Interessenten aus der Region die Einladung zum Mitmachen annehmen. Dass vor allem junge Frauen in Ranis fehlten, hielt Sandra Eberwein für keine Überraschung. "Es ist durchaus normal, die Frauen sind meistens im mittleren oder höheren Alter", sagte sie. Mit 71 Jahren war Ursula Schütt aus Suhl die älteste Teilnehmerin. Die Lehrerin und Autorin aus Südthüringen, die selbst schon zu den Literaturtagen in Ranis las, fühlte sich wie alle bestens betreut und gut aufgehoben.