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13.01.2003

"Flucht durch den Winter" auf Burg Ranis vorgestellt

von Sandra Hoffmann Ostthüringer Zeitung

Von OTZ-Volontärin Sandra Hoffmann Ranis. Es sind die Wintermonate Anfang des Jahres 1945, in denen sich das 14-jährige Ännchen und der russische Fremdarbeiter Sergej auf der Flucht vor der SS befinden. "Flucht durch den Winter" lautet deshalb der Titel des Buches, das Hermann Schulz schrieb. Auf der Burg Ranis stellte der 64-Jährige am Donnerstag Abend sein Werk vor. Zu dieser Autorenlesung hatte der Verein Lese-Zeichen eingeladen.

"Das Buch hat eine biografische Anbindung", gab der Autor zu Beginn der Lesung bekannt. 1944 habe er bei einem Onkel auf einem Bauernhof in Niedersachsen gelebt. Bei dem zur rechten Seite wohnenden Nachbar sei ein russischer Fremdarbeiter tätig gewesen. Bei dem Bauern zur linken sei eines Tages ein 14-jähriges, sehr hübsches Mädchen aus Hamburg aufgetaucht, dessen Eltern bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen seien, berichtete Hermann Schulz. Wenige Wochen bevor die SS die Fremdarbeiter abholen wollte, seien das Mädchen und der Russe verschwunden. Es hieß, dass beide ein Paar und gemeinsam geflohen seien. "Ich habe nie wieder von ihnen gehört", sagte der Schriftsteller.

Diese Begebenheit bildet den Ausgangspunkt des Buches, dem die Schilderung von acht nervenaufreibenden Wochen der Flucht folgt. Die beiden Hauptpersonen mal nüchtern betrachtend, mal ihnen gefühlsmäßig sehr nahe stehend, schildert Hermann Schulz deren Weg. Eindrucksvoll gelingt dies dem Autor beispielsweise in der Mord-Szene. Was die zwei jungen Menschen während und nach der Ermordung eines Mannes, der sich an Ännchen sexuell vergehen wollte, empfinden, ruft unterschiedliche und schnell wechselnde Emotionen beim Leser wach. Doch nicht nur düstere Momente begleiten die Flüchtigen. Augenblicke der Hilfsbereitschaft bleiben nicht außen vor.

Sein Buch, in das auch Erlebnisse anderer Menschen einflossen, stellte Hermann Schulz außerdem den 8. Klassen des Gymnasiums Pößneck und der Regelschule Ranis vor. Möglich wurde dies durch die Landeszentrale für politische Bildung.