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15.03.2005

Querschnitt durchs Bewusstsein

von Ulrike Michael Ostthüringer Zeitung

Helge Pfannenschmidt aus Jena gründet neue Literaturreihe - Erster Band erscheint mit Lyrik von Jan Volker Röhnert

Helge Pfannenschmidt weiß um die etablierten Verlagsstrukturen im Land, um den gesättigten Buchmarkt und den viel umworbenen Leser, der es schwer hat, in der Flut an Neuerscheinungen literarische Perlen zu finden. Der 30-jährige Jenenser ist sich auch bewusst, dass man als Verleger Enthusiasmus, Zeit und gute Kontakte einbringen muss, um in der Branche Erfolg zu haben. Doch das schreckt den studierten Literaturwissenschaftler nicht ab, neue Wege zu gehen. Der junge Mann hat im März diesen Jahres mit der "edition AZUR" eine eigene Literaturreihe gegründet. Am Wochenende will er auf der Leipziger Buchmesse den ersten Band präsentieren.

Angesiedelt ist das junge Literaturunternehmen unter dem Dach des Glaux Verlages. Das ermöglicht Pfannenschmidt, der selbst zwei Jahre als Lektor bei Glaux gearbeitet hat, die Vertriebsstrukturen zu nutzen. Dennoch legt er Wert auf die Eigenständigkeit von "Azur" und die Selbstbestimmung darüber, was er verlegt. Die Messlatte für Buchmarkttauglich oder nicht hat der gebürtige Neustädter hoch gelegt: "Ich möchte Literatur herausbringen, die die Sprache der Gegenwart aufgreift, Grenzen überschreitet und den Leser fordert. Die Reihe soll Autoren eine Plattform bieten, die nicht als gegeben hinnehmen, was ist, sondern auch fähig sind, sich auszumalen, was möglich ist." Zwei bis drei Bände sollen künftig pro Jahr erscheinen - quer durch die literarischen Genres. Wenn er die Zehn voll hat, wird Bilanz gezogen und weiter geplant. "Alle Bände werden am azurblauen Einband wieder zu erkennen und durchnummeriert sein", blickt Helge Pfannenschmidt in die Zukunft und hofft auf zahlreiche Sammler seiner Reihe.

Den Auftakt mit Band eins, der erst morgen die Druckerei in Weimar verlässt, geht er mutig und selbstbewusst an. Hinter dem Titel "Die Hingabe, endloser Kokon" verbirgt sich Lyrik, ein Langgedicht aus der Feder von Jan Volker Röhnert. "Die Chemie zwischen uns beiden hat gestimmt. Wir haben den gleichen literarischen Anspruch", schätzt Helge Pfannenschmidt an "seinem" ersten Autor. Und der ist kein Unbekannter. Mit den Lyrikbänden "Fragment zum französischen Süden 1&2" und "Burgruinenblues" sowie dem Essays "Zur poetischen Topographie des Fremden" hat sich der 1976 in Gera geborene Röhnert bereits einen Namen gemacht. Und bereits Preise für seine Arbeit gesammelt: Auszeichnung vom Literaturforum Hessen-Thüringen 2002, Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums Berlin 2003, Walter-Dexel-Stipendium der Stadt Jena 2003. Seitdem hat er sich weiterentwickelt, erzählt der Jenenser Autor, und jetzt zur neuen Form gefunden.

Mit der "Hingabe" ist ein zwölfteiliger Querschnitt durchs Bewusstsein entstanden, ein Gedicht, aus dem eine unglaubliche Sinnlichkeit und eine ebensolche Fülle an Bildern spricht. Es bietet dem Leser viele Türen zum Einsteigen und nimmt ihn mit auf eine phantastische Reise. Röhnert streift durch Erinnerung, Gegenwart und Zukunft, durch Landschaften, steuert auf die Liebe zu und spricht zu einer stets präsenten, imaginären Frau. Es wird eine Geschichte erzählt und doch entwickelt sich vor dem geistigen Auge des Lesers immer eine neue. Sie hat kein wirkliches Ende. Nur einen Schnitt, was offen lässt, ob Helge Pfannenschmidt und Jan Volker Röhnert vielleicht noch einen weiteren Band bei "Azur" zusammen herausbringen. Material schlummere schon genügend im Schreibtisch, verrät der Autor.

Zur Buchmesse ist "Azur" beim Glaux-Verlag, Halle 5, Stand A 217 vertreten.