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14.01.2008

Provokante Kneipengänge

von Frank Quilitzsch TLZ

Weimar. (tlz) Welche Kultur wollen wir zu welchem Preis? Diese Frage wird der neue Vorsitzende der Literarischen Gesellschaft Thüringen e. V., Christoph Schmitz-Scholemann, auf dem heutigen Podium in Weimar mit dem Schriftsteller Ingo Schulze, dem Nordhäuser Theaterintendanten Lars Tietje und Thüringer Kulturpolitikern diskutieren.
Aus Schmitz-Scholemanns Feder stammt u. a. das Rundfunkfeature "Im Namen der Robe - vom Dorfrichter Adam bis Barbara Salesch (über Richter in der Literatur)". Der aus Köln gekommene und seit 2001 in Weimar lebende Richter am Erfurter Bundesarbeitsgericht wurde am Wochenende auf der Jahrestagung des größten Thüringer Literaturvereins in Weimar gewählt. Ihm zur Seite steht der Nordhäuser Rechtsanwalt und Lyriker Thomas Spaniel. Dem neuen Vorstand gehören ferner als Geschäftsführerin Sigrun Lüdde, die Schriftsteller Ingrid Annel und Jens-Fietje Dwars, der Publizist Kai Agthe und der Germanistik-Student Tony Pacyna an.

Durch zahlreiche Aktivitäten hat der Verein im vergangenen Jahr das literarische Leben in Thüringen bereichert. Mit dem "Buchlöwen" und der regelmäßig in Weimar veranstalteten "Literatur-Lounge" seien vor allem junge Schreibende ermutigt und gefördert worden, so Spaniel. Die Vergabe des Thüringer Literaturpreises an Ingo Schulze und dessen kulturkritische Dankesrede (nachzulesen im soeben erschienenen neuen Heft des Literaturjournals "Palmbaum") habe den Fokus des überregionalen Feuilletons auf das kleine, literarisch agile Bundesland gelenkt, das mit Veranstaltungen wie "Literatur vor Ort", der Mitteldeutschen Lyriknacht und der auf 24 Bände angewachsenen Thüringen-Anthologie "Edition Muschelkalk" Beispielhaftes leistet.

Die drei neuen Bände im Herbst 2008 werden Sonette von Harry Weghenkel sowie Publizistik und Feuilletons von Jens-Fietje Dwars und Henryk Goldberg bringen. Schmitz-Scholemann versprach, künftig noch enger mit dem Literaturrat und den anderen Thüringer Literaturvereinen zu kooperieren. Nach dem umstrittenen Kneipenmarathon "Der letzte Zug", mit dem an "nikotinsüchtige" Literaten wie Brecht und Böll erinnert wurde, scheue man sich nicht, auch weitere "Todsünden" ironisch in der Öffentlichkeit zur Sprache zu bringen. Schmitz-Scholemann kündigte einen weiteren Kneipengang an - diesmal zum Thema Literatur und Alkohol.

! Podium heute, 20 Uhr, im mon ami, Weimar