Presse - Details

 
20.10.2011

Preisträger und Debütanten: Jenaer Lesemarathon für Kinder und Erwachsene

von Frank Quilitzsch TLZ

"Die Frau, für die ich den Computer erfand": Büchner-Preisträger F. C. Delius wird beim Jenaer Lesemarathon mit der Liebesgeschichte eines berühmten Technik-Pioniers vertraut machen. Foto: dapd

 

Auch wenn die Folge der Preisträger in diesem Jahr außergewöhnlich lang ist und Namen wie F.C. Delius, Iris Berben, Thomas Thieme oder Kathrin Schmidt für sich sprechen, der 17. Jenaer Lesemarathon beinhaltet keineswegs ein Eliteprogramm.

Jena. Im Gegenteil: Die Veranstalter verfolgen mit dem vom 25. Oktober bis 24. November währenden literarischen Staffellauf ein breit gefächertes demokratisches Konzept, in dem die verschiedensten Generationen, Genres, Temperamente und natürlich Themen ihr Publikum finden.


Schon mit der Eröffnung am kommenden Dienstag im Foyer des Jenaer Volkshauses soll ein Zeichen in die Zukunft gesetzt werden: "Wortwechsel - Lesung zum Austausch" ist ein taufrisches Literaturprojekt, in dem junge Autoren aus Thüringen mit Absolventen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig zusammentreffen. "Wir müssen an die Demografie denken", so Projektmanager Martin Straub vom Lese-Zeichen-Verein. "Die Leute, die hier ihr Podium haben, sind unser Lesepublikum von morgen. Übrigens tummeln sich da auch Preisträger - beispielsweise des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen."
Angela Schubert von der Ernst-Abbe-Bücherei, die das Lesemarathon-Profil maßgeschneidert hat, geht noch einen Schritt weiter: Erstmals gibt es in diesem Jahr noch einen zweiten, einen Kindermarathon - mit 22 Veranstaltungen. "Den haben sich die Kleinen selber eingefordert", erzählt die Bibliothekarin. Die Anekdote von dem Sechsklässler des Jenaer Angergymnasiums, der 2010 während einer Führung durch die Bücherei vom Lesemarathon hörte und laut fragte, warum es so etwas nicht auch für Schüler gebe, macht inzwischen nicht nur thüringenweit die Runde, sondern zeitigte in der Saalestadt auch praktische Folgen: Kinder- und Jugendbuchautoren sowie Märchenerzähler wurden eingeladen, ein Literarisches Schüler-Quintett tritt auf und stellt Neuerscheinungen vor, und Schüler lesen für Schüler. Dafür hat Schubert emsig zusätzliche Förderer und Sponsoren angeworben, denn der schmale Geldbeutel reichte nicht für zwei Marathonläufe dieses Formats.

Für die Erwachsenen gibt es einen dramatischen Auftakt, wenn Gertrud Gilbert unter dem Motto "Mit mir nicht noch einmal, Herr Goethe!" in die Rolle von Werthers Lotte schlüpft, um als reife Frau mit Lust und Frust über den Geheimen Rat herzuziehen. Bei dieser Veranstaltung am 26. Oktober sitzt die Jenaer Goethegesellschaft mit im Boot, wie überhaupt Partnerschaft ein Erfolgsgarant des Festivals ist. Auch die Landeszentrale für politische Bildung, die Jenaer Max-Planck-Institute, die Stadtwerke Jena-Pößneck und die Thalia-Buchhandlung unterstützen den Autorenreigen, zu dessen Höhepunkten der Auftritt des diesjährigen Büchner-Preisträgers F.C. Delius zählt, der aus seinem neuen Werk "Die Frau, für die ich den Computer erfand" lesen wird (8.11.). Die in Gotha geborene Schriftstellerin Kathrin Schmidt, die Ende der 70er Jahre in Jena Psychologie studierte, wird ihren 2009 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman "Du stirbst nicht" vorstellen (23.11.). Und noch ein Hochdekorierter wird zumindest vorgestellt: Der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer schildert in seiner Biografie des Nobel-Preisträgers für Physik Max Planck nicht nur dessen Leben, sondern zugleich auch die Epoche, in der er lebte (11.11.).

Es wäre müßig, die Fernseh- und Filmpreise der Schauspielerin Iris Berben aufzählen zu wollen, die mit ihrem TV-Krimipartner Thomas Thieme (u. a. Weimars preisgekrönter Faust und Deutschlands Schauspieler des Jahres 2000) am 1.11. zur Premiere des Hörbuchs "Dinge, die wir vermissen werden" im Großen Volkshaussaal auftreten wird.

Bis ins Experimentelle wird das Festivalspektrum durch Autorinnen wie Karen Duve erweitert, die dafür plädiert, "anständig" zu essen und sich dabei auf zahllose Selbstversuche stützen kann (19.11.), oder Anna Tüne, die in ihrem Buch "Von der Wiederherstellung des Glücks" über einen ungewöhnlichen Integrationsversuch ihrer Familie in Frankreich berichtet 24.11.).

Da werden auch der von der Staatsbank der DDR in die Chefetage der Deutschen Bank in Frankfurt am Main gewechselte Edgar Most sein Erzählkapital (27.10.) und der Medienwissenschaftler Thomas Tabbert manchen Rat für Eltern von computerspielsüchtigen Kindern beisteuern (7.11.). Und last but not least ist mit der Lyrikerin Bärbel Klässner die erste Stipendiatin der Villa Rosenthal zu Gast, die literarisch Bilanz über ihren Jena-Aufenthalt ziehen wird (10.11.).

www.stadtbibliothek.jena.de