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13.06.2009

'poetry-slam' im bc-Club auf Ilmenauer Campus

von it Thüringer Allgemeine

Zur Bergfeststimmung, die im Festzelt neben der Mensa auf dem TU-Campus hohe Wellen schlug, passend, etablierte sich Donnerstagabend in den Katakomben des bc-Club-Studentencafés das "poetry slam" in der Reihe "WortKlang" vor großem, interessiertem und euphorisch mitgehendem Publikum.

ILMENAU (it). Aus ganz Deutschland kamen die neun Teilnehmer zu der von der "Lese-Zeichen e.V." getragenen und von der hiesigen Sparkasse nebst der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen geförderten Veranstaltung nach Ilmenau zum Wettstreit um das beste, treffendste, dem Publikum gefallende, gute "Wort" in Gestalt von Gedichten, Geschichten, Glossen, Satiren oder sonst welche literarischen Eigenproduktionen. "Es muss etwas Eigengeschöpftes sein, das vorgetragen wird. Hilfsmittel, wie zum Beispiel das Mitbringen der Oma, die dann hier auf der Bühne daneben steht und vorsagt, sind nicht erlaubt", erklärte Moderator und Mitmacher Wehwalt Koslovsky die Regeln des aus den USA kommenden "poetry salm". Schon bei den alten Griechen wurden solche Veranstaltungen zelebriert, sie hießen nur anders, erklärte er. Die wenigen älteren Publikumsgäste des Abends konnten sich vielleicht an ähnliche Veranstaltungen erinnern, die seinerzeit unter Regie der FDJ organisiert und in Clubs junger Poeten als "Poetenwettstreit" firmierten, meist unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit und vor einer ideologisch ausgerichteten Jury.

Ganz anders und völlig frei in Inhalt und Form gestaltete sich der Wettkampf mit Worten am Bergfestabend, wo das unbestechliche Publikum per Applausstärke über den oder die Beste entschied. Zwei Damen nahmen sich gegen sieben Herren das Wort und schlugen sich sehr wacker mit feingeschliffener Klinge. Franziska Wilhelm aus Leipzig las eine ganz wunderschöne, mit viel Ironie gewürzte Beziehungsgeschichte, die Ilmenau mit dem "bescheuerten Ziegenbrunnen" als Ort liebevoll karikierte. Leider kam sie bei den Studenten, die als Campusbewohner ein traditionell fernes, vielleicht schwieriges oder gar kein Verhältnis zur Stadt haben, nicht so gut an, wie die Werke der Gegenspieler, welche die Endrunde erreichten. Gewonnen hat am Ende Julius Fischer. Mit seinen Redebeiträgen hatte er das auch redlich verdient. Seine Satiren, die dem Grundgedanken, "Ich hasse Menschen" folgten, waren nicht nur spitzzüngig, sondern auch wortgewaltig in den Sprachbildern.

Wirkliche Sieger waren am Ende des "poetry slam" jedoch alle - die Akteure gewannen an Erfahrungen und das Publikum gewann viele schöne Eindrücke.